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2 Dorfspiegel Dietlikon

2 Dorfspiegel Dietlikon / Wangen-Brüttisellen Pilzkontrolleur Heinz Eisele (links) weiss genau, worauf es zu achten gilt. (Foto zvg) Moni Müller vom Natur- und Vogelschutzverein Brüttisellen-Dietlikon-Wangen begrüsst die Anwesenden und übergibt das Wort an Pilzkontrolleur Heinz Eisele. In den kommenden drei Stunden wird er die Zuhörenden mit seinem grossen Wissen beeindrucken. Nur wenige Meter weiter weg gelangt die Gruppe in ein Waldgebiet mit niedriger Fauna. Und tatsächlich, nach kurzer Angewöhnungszeit beginnt man seine Sinne auszurichten auf das, was heute das Thema darstellt: Wo ist hier ein Pilz? Der harte Kern der Gruppe bleibt die meiste Zeit rund um Heinz Eisele stehen und lauscht seinen Ausführungen aus dem Reich der Pilze. Andere schwärmen aus und suchen die Exemplare der Begierde. Wer einen Pilz gefunden hat, bringt ihn zur Gruppe und jedesmal wenn Heinz Eisele einen Pilz in die Hand gedrückt bekommt, sprudelt Wissen und Geschichte aus seinem Mund. Die Stimmung ist friedlich und erbauend. Von Zeit zu Zeit hört man Vogelstimmen. Immer wieder auch das Klopfen eines Spechtes - nicht laut diesmal aber stetig und relativ leise. Hoch oben in der Baumkrone hackt er auf die Rinde und seine Klopfgeräusche sind am Boden in Stammnähe hörbar, als würde er im Bauminnern klopfen – echt cool. Sinnesschärfung Wer sich nicht täglich mit Pilzen auseinandersetzt macht hier im Wald eine Wandlung durch. Die Stille, das Knacken von Geäst, das Stimmengemurmel, die Vogelstimmen und die Gerüche sind nur ein paar der vielfältigen Eindrücke, die einen hier umgeben. Von anfänglich «ich sehe nur Blätter» bis zu «da ist ein Pilz!» erfährt hier der Mensch am eigenen Leib den Prozess einer Sinnesschärfung. Plötzlich kann der wache Geist Blätter von Pilzen unterscheiden und bei jeder Sichtung ein Erfolgserlebnis verzeichnen. Pilze sind Lebewesen Und Heinz Eisele hat für jeden Fund die passenden Worte, reich verziert mit Anekdoten aus dem Leben eines Pilzkontrolleurs. Pilze bilden die drittgrösste Gruppe der Lebewesen nebst Tieren und Pflanzen. Richtig gelesen – Pilze sind Lebewesen und enger verwandt mit den Tieren als den Pflanzen. Sie ernähren sich durch die Aufnahme von organischen Substanzen. Der Pilz ist die sichtbare Frucht an der Oberfläche. Weitaus grösser ist das, was von blossem Auge unsichtbar im Boden verborgen ist – das Myzel. Dieses kann riesige Ausmasse annehmen. Aufgrund eines rätselhaften Waldsterbens in Oregon USA wurde ein riesiges Myzel der Hallimaschart entdeckt. Es erstreckt sich über eine Fläche von rund neun Quadratkilometern und gilt seit seiner Entdeckung im Jahr 2000 als das grösste bekannte Lebewesen der Welt. Imposante Stinkmorchel Die buchstäblich «herausragendste» Erscheinung der heutigen Pilzexkursion ist die Stinkmorchel der

Kurier Nr. 38 22.9.2022 Dorfspiegel Dietlikon / Wangen-Brüttisellen 3 Gattung Phallus. Sie ragt aus dem Boden wie ein Penis. Stinken ist bekanntlich ein relativer und subjektiver Begriff. Die heute gefundenen Exemplare der Stinkmorchel erzeugen bei den meisten Nasen eine Abwehrreaktion. Der im späten Anfangsstadium aus einem Hexenei spriessende Phallus lockt mit seinem Aasgeruch Fliegen an. Sie nehmen die vom Pilz ausgesonderte olivgrüne bis schwarzgrüne Flüssigkeit – die Gleba – am Kopf des Pilzes auf und helfen mit, die Sporen der Pilze in der Umwelt zu verbreiten. Ist die Gleba des Pilzes verzehrt, bleibt ein weisses Gebilde zurück, das im Volksmund mitunter auch «Leichenfinger» genannt wird. Vielfältige Eindrücke Den Blick zu Boden gerichtet, können auch Schlaf- oder Ruheplätze von Rehen ausgemacht werden. Zahlreiche flache Mulden mit geglättetem Bett zeugen vom Aufenthalt eines Säugetiers. Mit Erstaunen nimmt man zur Kenntnis, dass es hier im Suchgebiet einen Kastanienbaum gibt. Auf mehreren Quadratmetern verteilt liegen heruntergefallene Kastanien herum. Ein Baum aus südlichen Gefilden findet hier seinen Platz. Es ist nicht auszuschliessen, dass er hier steht, weil man mit der Erwärmung der Umwelt wohl mit dem Absterben von anderen heimischen Bäumen rechnen muss – so wird vermutet. Spannend festzustellen, dass sich unter den Anwesenden immer auch wieder Gespräche ergeben, die sich dem Thema Natur und Umwelt widmen. Klar, der Rahmen ist vorgegeben, aber trotzdem schön, dass dieser Anlass Menschen in Frieden zusammenführt und für alle erholsam ist. Methoden zur Pilzbestimmung Heinz Eisele erklärt mit grosser Geduld und Sorgfalt die verschiedenen Methoden zur Bestimmung der Pilze. Alle zielen darauf ab, aus den in Europa existierenden 5000 von Auge erkennbaren Grosspilzen die rund 200 essbaren Pilze zu eruieren und damit dem Sammler und Geniesser die Gewissheit zu vermitteln: Du kannst diesen Pilz essen oder nicht. Mehr als einmal testet der Pilzkenner eine Pilz-App und zeigt der Gruppe, dass die App sehr wohl in der Lage ist, den Pilz aufgrund eines Fotos relativ gut einzuordnen. Aber – und es gibt ein grosses Aber – der App fehlen die Nase, der Tastsinn und sie kann beispielsweise die Verfärbungsgeschwindigkeit nach Ankratzen der Oberfläche nicht abschätzen. Als ergänzendes Mittel in der Bestimmung der Pilze scheint sie dennoch eine gute Ergänzung zur Suche in der bebilderten und ausführlich beschriebenen Fachliteratur zu sein. Wenige Minuten nach zwölf Uhr wird von der Organisatorin Moni Müller die Leistung von Pilzkontrolleur Heinz Eisele verdankt und die Kollekte für ein Jahresprojekt des Natur und Vogelschutzvereins Brüttisellen-Dietlikon-Wangen erhoben. Ein interessanter Anlass findet seinen Abschluss.

Gemeindezeitung Kurier