Aufrufe
vor 1 Woche

2022_25

  • Text
  • August
  • Kirchgemeinde
  • Telefon
  • Juli
  • Wangen
  • Kurier
  • Gemeinderat
  • Gemeinde
  • Juni
  • Dietlikon

6 Dorfspiegel Dietlikon

6 Dorfspiegel Dietlikon Kurier Nr. 25 23.6.2022 Gemeindeversammlung in Dietlikon Finanzen, Würste und Musik 3,2 Millionen mehr als budgetiert: Der Blick auf Dietlikons Finanzen ist durchaus erfreulich. Ein paar Fragen wirft die Entwicklung dennoch auf, wie an der sommerlichen Gemeindeversammlung am Montag auf dem Dorfplatz deutlich wurde. Leo Niessner Da war doch noch was. Genau, die Gemeindeversammlung! Danach, dass hier ernste und wichtige Themen diskutiert werden, sieht es am Montagabend kurz nach sieben Uhr erst einmal nicht aus. Stattdessen auf dem Dorfplatz: Feststimmung in dezentem Sommerwind. Der Musikverein Dietlikon spielt auf. Getränke werden gereicht. An den langen Tischen trifft man sich zum fröhlichen Schwatz. Gemütlichkeit pur. «Auf diesen Moment habe ich lange gewartet», frohlockt eine Dame, und ihr Partner nickt: «In den letzten zwei Jahren war das hier wegen Corona nicht möglich». Zum Glück ist dieses Jahr alles anders. Die hohen Temperaturen im Fadacher-Saal, in dem die Gemeindeversammlungen stattdessen abgehalten wurden, wären wohl nur schwer zu ertragen gewesen. Mit der Leichtigkeit, die in der Luft liegt, begrüsst Edith Zuber kurz darauf die Stimmberechtigten, nachdem die Musik den Evergreen «Hit The Road Jack» gespielt hat. 142 sind gekommen, schon fast rekordverdächtig viele, wie jemand feststellt. Gespannt lauschen sie den Ausführungen, die sich in den nächsten rund 60 Minuten vor allem um Zahlen drehen. Die konsolidierte Jahresrechnung 2021 liegt vor. Und die birgt ein paar Überraschungen. Statt der über 3,3 Millionen Franken, die im Gesamthaushalt als Minusbetrag budgetiert waren, schreibt die Gemeinde ein Plus von 69000 Franken. Erfreulich sieht es auch bei den Steuereinnahmen aus: Sie sind um 4,84 Millionen Franken höher als budgetiert. Wie kann das sein? Beat Lüönd, Präsident der Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission (RGPK), kommentiert die Zahlen. Dass die Jahresrechnung so viel besser abschneide als budgetiert, liege unter anderem daran, dass der Kanton zur Zeit der Budgetierung tiefe Werte im Einkommens- und Konjunkturbarometer angegeben habe. Das habe zu einer vorsichtigen Berechnung geführt. Am Ende seien zudem die Erträge aus den Grundstückgewinnsteuern höher ausgefallen als erwartet und hätten zum positiven Ergebnis beigetragen. Wobei, nicht alles ist so rosig, wie der Blick auf die Tabelle «Entwicklung Nettovermögen/-schuld (Gesamthaushalt)» zeigt: ein blauer Graph, der im Jahr 2018 auf beinahe stolze 30 Millionen Franken geklettert war, sich seither aber im Sinkflug befindet und in den letzten zwei Jahren dem Nullpunkt zusteuert. «Dietlikon hat kein Nettovermögen mehr», kommentiert Gemeinderat Marc Schüpbach die Grafik. Ein Blick auf die Sozialausgaben Sorgen bereitet der Rechnungsund Geschäftsprüfungskommission zudem die Entwicklung im Bereich «Soziales». 800 000 Franken mehr als im letzten Jahr budgetiert, wurden in diesem Bereich ausgegeben. Personalausfälle wegen Mutterschaft und Krankheit, Ergänzungsleistungen und Asylwesen – diese Posten hätten zu Buche geschlagen, zählt Lüönd auf. «Im Vergleich – vor vier Jahren haben wir 1,4 Millionen Franken weniger ausgegeben.» Es brauche nun Massnahmen, um diese Kostenentwicklung langfristig zu bremsen. Konkrete Vorschläge hat die RGPK dazu bereit: Zusätzliche Ressourcen müssten geschaffen werden, um die Klienten zu betreuen und wieder in die Arbeitswelt zu integrieren. Die Stimmberechtigen haben dem nichts hinzuzufügen. Einstimmig genehmigen sie die Jahresrechnung der politischen Gemeinde. Mehr Gesprächsbedarf gibt es beim Thema «Mehrspur». Die Informationsveranstaltung vom 4. Mai, an welcher die SBB die Bauarbeiten rund um den Bahnhof Dietlikon erläuterten, haben bei einigen Dietliker:innen Fragen aufgeworfen. Besonders zum Thema Lärmschutz und der Frage nach dem Mitspracherecht der Bürger:innen und der Gemeinde – sofern es denn ein solches gebe. Denn, so sagt Jan Geerts, einer der Fragesteller, Dietlikon besitze eine hohe Wohnqualität. Nur sehen er und die anderen Fragesteller:innen diese durch die Bauarbeiten bedroht. Zumal nach Abschluss der Arbeiten eine Verdoppelung der Zug-Kapazität zu erwarten sei. Deshalb hatte man beim Gemeinderat die Anfrage eingereicht, die nun auch vor dem Plenum beatwortet wird. Philipp Flach, Vorsteher des Ressorts Raum, Umwelt + Verkehr, geht geduldig auf die Fragen ein. So habe der Gemeinderat vor ein paar Jahren eine ständige Delegation geschaffen, welche die Interessen der Bevölkerung in die Diskussion mit den SBB einbringe. Überdies, seit zehn Jahren setze sich der Ungewöhnliche Kulisse: Dietlikons Gemeindeversammlung open air. (Fotos zvg) Gemeinderat zum Thema «Schiene» ein, um den Verlust von Grünflächen und Lärmemissionen zu minimieren. Er habe bereits einiges erreicht, mit Verweis unter anderem auf den Masterplan Landschaftsraum Eich: Hier wurden Grünflächen erhalten. Natürlich werde der Gemeinderat auch weiterhin im Sinne der Bevölkerung handeln und etwa bauliche Massnahmen verlangen, welche den Lärm vermindern. Gute Budgetdisziplin in der Schule Während von den grossen Grills auf der Seite des Dorfplatzes erste Rauchschwaden aufsteigen, begrüsst Schulpräsident Gabor Csernyik die Stimmbürger:innen mit den Worten «zwischen uns und den Würsten liegt noch etwas», was mit Lachen quittiert wird. Doch auch die Jahresrechnung der Schulgemeinde will genehmigt sein. Für sie gibt es Lob: «Ich stelle eine gute Budgetdisziplin fest, obwohl die Schule mit den Finanzen zu kämpfen hat», sagt Beat Lüönd. Um 1,2 Millionen Franken schliesst diese Rechnung besser ab als budgetiert. Auch hier haben unter anderen höhere Steuererträge einen Einfluss auf das positive Resultat sowie die Hebung des Steuerfusses um 6 Prozent (der Kurier berichtete). Ein Wermutstropfen bleibt allerdings: Durch den höheren Ertrag fallen 920 000 Franken weg, die im Finanzausgleich budgetiert wurden.

Kurier Nr. 25 23.6.2022 Dorfspiegel Dietlikon 7 Die Gemeinde hat damit eine Schwelle überschritten, die zum Bezug ebendieser Gelder berechtigt hätte – als «Durchlaufposten» hatte Lüönd den Finanzausgleich aus diesem Grunde auch schon bezeichnet. Einsparungen gab es unter anderem auch im Bereich von Veranstaltungen, die während der Corona-Jahre nicht stattfanden. Nach der Beantwortung diverser Fragen rund ums Budget und dessen Kontrolle und einem Blick auf Verabschiedungen und Neuformierungen in den Reihen der Schulbehörde (siehe amtliche Seiten im Kurier) weht der herrliche Duft von Würsten über den Dorfplatz. Höchste Zeit für den gemütlichen Teil des Abends. Den wollen sich die Dietliker:innen nach den intensiven zwei Stunden nicht entgehen lassen. Weitere Details und Beschlüsse der Gemeindeversammlung: Seite 21

Gemeindezeitung Kurier