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2021_02

4 Dorfspiegel

4 Dorfspiegel Wangen-Brüttisellen Kurier Nr. 2 14.1.2021 durchführen zu können. Denn gerade in diesem Jahr wurde uns noch stärker bewusst, wie wichtig die Freiwilligen-Arbeit ist, gerade auch, wenn man an die Nachbarschaftshilfe denkt. Die verdienten Gewinner der Freiwilligen-Awards, Ruedi Wyder und Selina Moriggl, kenne ich beide persönlich seit vielen Jahren. Mit Ruedi bin ich bereits in den Kindergarten gegangen und habe sein Wirken in der Freiwilligenarbeit immer verfolgt, bis hin zum Naturschutzbeauftragten der Gemeinde. Und Selina Moriggl? Sie kenne ich auch, seit ihrer Spielgruppenzeit. Das Projekt «engage. ch», an dem sie teilnahm, habe ich politisch begleitet. Ich freute mich, dass daraus der Jugendverein «Jumi» entstanden ist, bei dem sie das Präsidium übernahm. Dass sie den Verein mit anderen jungen Leuten führt, ist nicht selbstverständlich. Generell ist es nicht einfach, ein Präsidium zu besetzen. In gesellschaftlicher Hinsicht musste die Gemeinde im letzten Jahr hingegen auf einige Anlässe verzichten, etwa aufs Seifenkistenrennen. Das finde ich sehr schade. Aber wir mussten uns leider an diese Situation gewöhnen. Besonders einschneidend war auch, dass die «Chilbi» nicht stattfand. Aber auch Traditionsanlässe wie «Musig uf em Dorfplatz» konnten nicht durchgeführt werden. Gerade bei der Chilbi hörte man aus allen Altersgruppen, dass man über die Absage traurig war. Es gab aber auch schöne Meldungen in diesem Jahr. So sammelten Landwirte aus Ihrer Gemeinde Geld für Drohnen, mit denen sie Rehkitze vor dem Mähtod bewahren können. Hatten Sie von der Aktion etwas mitbekommen? Ich selber hatte keinen direkten Kontakt mit den Landwirten. Allerdings find ich es toll, dass wir so innovative Leute in der Gemeinde haben. Ich informierte mich natürlich auf der Crowdfunding-Webseite, über welche sie Geld sammelten. Die rege Teilnahme zeigte, dass das Thema aus Sicht der Bevölkerung sehr wichtig und sinnvoll ist. Viele Pläne: Gelände des Flugplatzes Dübendorf (2016). (Foto Archiv) Zu reden gab auch der Flugplatz Dübendorf. Im Sommer und Herbst gab es rund um die Pläne und Vorhaben teils widersprüchliche Meldungen in den Medien. Wo stehen wir da nun? Grundsätzlich an einem viel besseren Ort als noch vor einem Jahr. Nachdem das Verwaltungsgericht des Kantons Zürich den kantonalen Gestaltungsplan Innovationspark aufgehoben und der Bund das Sachplanverfahren für die Umnutzung des Militärflugplatzes Dübendorf in ein ziviles Flugfeld eingestellt hat, erforderte die neue Ausgangslage einen Neustart der gesamten Arealplanung. Unter der Leitung des Kantons wurde eine Taskforce gegründet, die bis zum Frühling 2021 einen Synthesebericht erarbeiten soll. Die Anrainergemeinden Wangen-Brüttisellen, Dübendorf und Volketswil sind in diesem Prozess eingebunden und in allen Arbeitsgruppen vertreten und setzen sich weiterhin mit Nachdruck für das Gemeindekonzept ein. Wir unterstützen die Dreifachnutzung, über die viel geschrieben wird, in dem Sinne, dass das Militär auf dem Flugplatz weiterhin seinen Platz haben soll, sowie der Innovationspark, den wir stets unterstützt haben, und die historische Fliegerei. Die Geschäftsfliegerei, Sport- und Freizeitfliegerei hingegen sollen nicht zugelassen sein. Gerade über den Innovationspark gab es unterschiedliche Meldungen in den Medien. Sind Sie davon überzeugt, dass er kommt? Ja, da arbeitet man unter der Federführung des Kantons gemeinsam mit Bund und uns Gemeinden am Konzept. Inwieweit spielen Ihnen die Auswirkungen der Corona-Pandemie in die Karten? Es ist schliesslich denkbar, dass der Flughafen Zürich ein Interesse hat, die in Dübendorf abgelehnten Geschäftsund Freizeitflüge bei sich zu behalten. Angesichts der grossen Ausfälle im Flugbetrieb ist das ein denkbares Szenario. Die Situation unterstützt sicher unser Anliegen. Und ob die Fliegerei in demselben Ausmass zunehmen wird, wie es in der Vergangenheit geplant war, wird man sehen. Angesichts der Berichterstattung über die Pandemie sind die Ausbaupläne der Gemeinde in den Hintergrund der öffentlichen Wahrnehmung gerutscht. Wie ist da der Stand der Dinge? Coronabedingt ist das tatsächlich so. Im Hintergrund läuft aber alles nach Plan. Eine Arbeitsgruppe befasst sich mit der Ortsplanungsrevision, Baugesuche wurden eingereicht oder es laufen Gespräche, halt unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Solch grosse Bauvorhaben wie um das Gebiet des «Brüttiseller Tor» brauchen natürlich Zeit. Bereits an der Gemeindeversammlung, bei der Genehmigung des Gestaltungsplans für das «Brüttiseller Tor», haben wir die Bevölkerung darauf vorbereitet. Gibt es auch Bauvorhaben, die auf später verschoben werden mussten, unter anderem wegen den finanziellen Auswirkungen in Zusammenhang mit der Pandemie? Die Investitionsplanung wird an Budgetdiskussionen des Gemeinderats regelmässig diskutiert, nicht nur in der aktuellen Situation. Zu den Bauvorhaben, die auf später verschoben worden sind, gehört die Renovation des Schurterhauses in Wangen, eine Gemeindeliegenschaft, in welcher früher die Post war. Nachdem diese geschlossen wurde, kaufte die Gemeinde den entsprechenden Anteil. Wir planten, das Schurterhaus demnächst zu sanieren und umzubauen. Zusammen mit der Bevölkerung wurden mögliche Szenarien erarbeitet. Das Vorhaben wurde gestoppt? Angesichts der finanziellen Situation der Gemeinde hat man beschlossen, das Gebäude vorerst so zu lassen, wie es ist. Es ist gut bewohnbar und nutzbar. Mit Blick auf die Investitionsplanung muss man mitunter Prioritäten setzen. Man kann nicht alles gleichzeitig machen. Werfen wir einen Blick in die nahe Zukunft. Worauf freuen Sie sich im Jahr 2021? Ich bin wie gesagt eine Optimistin. Ich freue mich auf die wärmere Zeit, in der es einfacher sein wird, wieder andere Menschen zu treffen. Ich hoffe, dass man wieder Anlässe durchführen und die eine oder andere ausgefallene Veranstaltung nachholen kann. Ganz aktuell freue ich mich darüber, dass es eine Gruppe von Frauen jeden Alters gibt, welche das Jubiläum «50 Jahre Frauenstimmrecht» im Jahr 2021 in den Vordergrund rücken will. Ich bin in diesem Gremium dabei. Warum ist Ihnen das ein Anliegen? Zum einen, weil man aufzeigen kann, dass es das Frauenstimmrecht noch gar nicht so lange gibt. Gleichzeitig geht es mir auch darum, Frauen aufzurufen diese Gleichberechtigung zu nutzen und sich am politischen Geschehen in der Gemeinde und in den Behörden zu beteiligen. Im Jahr 2022 stehen ja wieder Wahlen an. Es wäre wünschenswert, wenn sich mehr Frauen überlegen würden, ob sie ein Amt übernehmen wollen. Gerne möchte ich ihnen Mut machen. Was wünschen Sie der Bevölkerung? Optimismus und Lebensfreude! Und die Überzeugung, dass wieder bessere Zeiten kommen, in denen wir uns treffen dürfen und in denen der Gedanke an Corona nicht im Vordergrund steht. Und natürlich wünsche ich allen glückliche und friedliche Momente sowie Gesundheit! Worauf freuen Sie sich, wenn die Pandemie hoffentlich irgendwann «Ich freue mich auf die wärmere Zeit, in der es einfacher sein wird, wieder andere Menschen zu treffen.» Marlis Dürst vorbei ist? Dass ich mich wieder – ohne zu überlegen – zu Menschen dazu setzen und ihnen die Hand geben kann. Dass ich so viele Menschen einladen darf wie ich möchte und dass die Masken nicht mehr meine treuen Begleiter sein müssen. Ich wünsche mir einfach Normalität, diese darf aber gern etwas ruhiger verlaufen als vor der Pandemie.

Kurier Nr. 2 14.1.2021 Dorfspiegel Dietlikon 5 Frauenverein Dietlikon in Zeiten von Corona Ihre Gedanken sind täglich beim Verein Wenn von einem Moment auf den andern das gesellige Beisammensein gestoppt werden muss, trifft das auch die regionalen Vereine mitten ins Herz. Die Präsidentin des Frauenvereins Dietlikon, Annemarie Stehlé, und die Aktuarin, Gertrud Frey, teilen ihre Erfahrungen mit den Kurierlesern. Renato Meneguz Der Frauenverein Dietlikon wurde 1883 gegründet und ist somit einer der ältesten Vereine in Dietlikon. Derzeit teilt er dasselbe Schicksal vieler anderer Vereine. Die Vereinstätigkeiten stehen still, eine Wiederaufnahme steht in den Sternen. Anfangs der ersten Welle des Coronavirus wurden die Mitglieder noch auf Verschiebedaten vertröstet. Annemarie Stehlé erinnert sich: «Es war ein Vertrösten peu à peu.» Schlussendlich blieb nur noch die vollständige Programmabsage. Eine Situation, die beiden Vorstandsfrauen Mühe bereitet. «Ich denke täglich an den Verein», sinniert Stehlé. Fester Bestandteil im Alltag Für viele Mitglieder bildet der Frauenverein einen festen Bestandteil im Alltag und ist eine wichtige Plattform für den sozialen Austausch. Das Programm richtet sich zu einem grossen Teil an Frauen älteren Jahrgangs. Das Durchschnittsalter der Mitglieder liegt bei 73 Jahren. Das hat auch mit der grossen Vereinsdichte in der Gemeinde Dietlikon zu tun, welches Angebote an Familien und jüngere Frauen bereits gut abdeckt. Mit dem Chasperli-Theater und vor allem dem Räbeliechtli-Umzug betreut der Frauenverein jedoch auch traditionell wichtige Anlässe für das ganz junge Publikum. Auch Anlässe wie die Zmorgen-Buffets und der Dorfmarkt sind für alle Alterskategorien offen und werden geschätzt. Im November wurde die Liesmer-Gruppe als letzte Vereinstätigkeit offiziell und schweren Herzens aufgelöst. Zu gross wurde das Risiko trotz Vorsichtsmassnahmen. In Tandem-Zweiergruppen und mit der nötigen Vorsicht haben sich seither rund 20 Frauen selber organisiert. Auf die Frage, ob der Vorstand denn wisse, wie es den Mitgliedern geht, antwortet Stehlé: «Wir können nur raten, dass sich gewisse Mitglieder momentan sehr einsam fühlen.» Und Frey ergänzt: «Momentan ist einfach Funkstille.» Und doch nimmt man wahr, dass es bei vielen Mitgliedern wohl auch ohne den Verein geht. Wo der Schuh drückt So sind es keine finanziellen Sorgen, die bei den Vorstandsfrauen zum Ausdruck kommen. «Wir brauchen ja nicht viel», sinniert die Präsidentin. Vielmehr stellt sich die Frage, ob sich die Mitglieder an den Rückzug etwas zu sehr gewöhnen könnten und ob sie nach der Krise überhaupt wieder in den Verein zurückfinden. Grundsätzlich stellt sich die Frage, in welcher Form der Verein nach der Wiederaufnahme der Vereinstätigkeiten weiter existiert, wie die Anlässe geplant werden sollen und können. Wie schwer diese Planung sein kann, zeigt sich anhand des Projektes «Osteuropahilfe», bei welchem sämtliche Strickwaren der Liesmer-Gruppe an ein Hilfswerk für Bedürftige in Osteuropa gespendet werden. Die Präsentation am 9. November im Kirchgemeindehaus konnte just noch durchgeführt werden. Die Übergabe an die Organisation scheiterte dann aber Corona bedingt, räumt Stehlé etwas enttäuscht ein. Die Strickwaren sind nun wieder zurück im Schrank. Wie das dann im nächsten Jahr organisiert wird, ist noch unklar. «Aber wir holen es nach!» So wie die Aktuarin das sagt, klingt es fast wie eine Kampfansage an das Virus. Man spürt den Wunsch und die Hoffnung, möglichst bald wieder zurück in die Normalität zu finden. Schwermütige Gedanken Vereine leben von der Geselligkeit ihrer Mitglieder. So ist es auch verständlich, wenn Stehlé etwas schwermütig sagt: «Mir fehlt ganz klar der Kontakt zu den Mitgliedern.» Trotz allem stattgefunden haben die Vorstandssitzungen im vergangenen Jahr. Bundesratsentscheide, veränderte Situationen bei Vorsichtsmassnahmen, gegenseitige Absprachen und Entscheide mussten im Kollektiv besprochen und gefällt werden. Die Präsidentin schätzt die verschiedenen Inputs und Meinungen der anderen Vorstandsmitglieder. «Es macht alles etwas farbiger und ich möchte auch nicht alleine entscheiden müssen. Ein Entscheid wird immer miteinander getragen.» Sei dies nun die Absage eines Anlasses oder mögliche Perspektiven für die bevorstehenden Monate. Planung für 2021 steht Trotz der Verunsicherung hat der Frauenverein Dietlikon die Jahresplanung für das Jahr 2021 erstellt. Die Anlässe im Januar und Frauenverein Dietlikon: Präsidentin Annemarie Stehlé (rechts) und Aktuarin Gertrud Frey hoffen vor der Vereinslokalität im Häfelfingerhaus, dass bald wieder ein normales Programm möglich ist. (Fotos rm) Tolle Arbeit der Liesmer-Gruppe: Strickwaren für einen guten Zweck. Februar sind aber bereits wieder abgesagt. Darunter das Jassturnier, bei welchem bis vor Kurzem noch grosse Hoffnung für die Durchführung bestand. Die Generalversammlung im März wird aller Wahrscheinlichkeit nach erneut in schriftlicher Form abgehalten werden müssen. Einerseits, um die Mitglieder zu schützen. Andererseits fehlt es an Inhalt für die Veranstaltung. «Wir haben ja gar nichts zu erzählen. Wir haben dieses Jahr nichts gemacht, sind auf keiner Reise gewesen», wirft die Aktuarin ein. Doch bereits lassen Stehlé und Frey wieder die Ideen kreisen. Es wird über einen «Weisch no»- Nachmittag diskutiert, an welchem ältere Mitglieder aus früheren Zeiten erzählen und ihre Erfahrungen mit den Zuhörerinnen teilen können. Bei so viel Energie und Begeisterung können sich die Mitglieder des Frauenvereins Dietlikon auf die Wiederaufnahme des Vereinsprogramms nur freuen. Immer wieder kann aus dem Gespräch gut herausgehört werden, dass die Wertschätzung aller Altersgruppen in diesem Verein ganz oben auf der Agenda steht. Auf die Frage, was sie sich denn für den Frauenverein und die Mitglieder wünschen, sind sich die Präsidentin und die Aktuarin einig: «Dass alle gesund sind und es im neuen Jahr viele, auch jüngere, Neumitglieder gibt.» Der Frauenverein Dietlikon und andere Vereine sind ein wichtiger Bestandteil der Gemeinde Dietlikon – ein Bindeglied zwischen den Einwohnerinnen und Einwohnern. Es ist zu wünschen, dass diese Pfeiler unserer Gesellschaft trotz Widrigkeiten die Coronakrise unbeschadet überstehen. Gleiches gilt natürlich auch für die verschiedenen Vereine von Wangen-Brüttisellen.

Gemeindezeitung Kurier