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2 Dorfspiegel Dietlikon

2 Dorfspiegel Dietlikon / Wangen-Brüttisellen Kurier Nr. 47 19.11.2020 Das Chriesbächler Huusmusik-Trio in Aktion (in der Mitte Margrit Gujer) Coiffeur «PINO» Damen- und Herrensalon Bühlstrasse 4 neben Café «Bühl» 8305 Dietlikon Telefon 044 833 18 54 Zunächst habe sie mit dem Material experimentiert, bis ihre Figuren stabile Köpfe hatten, die den Bewegungen standhielten. Das Spiel mit den Puppen – mit der Zeit wurden es immer mehr – beflügelte sie ebenso wie ihre drei Freundinnen, die auch Kinder im Alter ihrer Tochter hatten. Sie erfanden gemeinsam Geschichten wie zum Beispiel «Tartatucks Reise» und bearbeiteten bekannte Märchen wie «Das Mädchen mit den Zündhölzern» usw. 1972 ging ihr Traum in Erfüllung: sie gründeten die «Puppenbühne Mado» in Wangen, nachdem ihr Mann Hans- Rudolf eine schmucke Bühne gebaut und sie die Kulissen gebastelt hatte. Ihr Mann begleitete dann die Vorstellungen mit Ton und Musik. Von 1972 bis 1977 bestritten die fünf Theaterbegeisterten Auftritte in Kindergärten und Schulklassen bis zur 2. Klasse. Ihre Geschichten, die analog zum klassischen Kasperli-Theater auch einen erzieherischen Inhalt hatten, wurden von den Kindern geliebt. Aus Rentabilitätsgründen musste die Puppenbühne 1977 aufgeben. Sie bemerkt dazu: «Heute bedaure ich es ausserordentlich, dass ich mein Lieblingsprojekt aus finanziellen Zwängen begraben musste.» Sie hätte so viel Herzblut in die Puppenbühne Art - Nails Manuela www.artnails.ch ℡ 044 833 18 89 gesteckt. Trotzdem seien ihre zahlreichen Puppen, 60 an der Zahl, eine schöne Erinnerung an die strahlenden Kinderaugen aus dieser für sie beglückenden Zeit. Guggenmusik Füdlichnübler Gujers wohnten in Dübendorf, 1970 konnte Margrit Gujer ihr Atelier an der Hegnaustrasse 57 in Wangen mieten und schnell Beziehungen zum Dorf knüpfen. Ihr Mann, der in Wangen arbeitete, platzte an einem Abend 1975 zufällig in die Gründungsversammlung der Guggenmusik Füdlichnübler im Sternen und wurde angesprochen mitzumachen. Als Paukenspieler sagte er zu, was weitreichende Folgen für die gesamte Familie hatte. Margrit Gujer liess sich von der Begeisterung ihres Mannes anstecken und als die Tochter Sandra 13 Jahre alt war ebenfalls. Mutter Margrit spielte die Tschinellen und Tochter Sandra Tamburin. Die Guggenmusik Füdlichnübler ist nicht nur wegen ihren musikalischen Darbietungen in der Fasnachtszeit in der ganzen Schweiz bekannt, sondern auch wegen ihren originellen Kostümen. Während ihrer mehr als zehnjährigen Zugehörigkeit war Margrit Gujer für die Kostümgestaltung zuständig. Nach dem Abschluss der Fasnacht sei ein neues Sujet ausgesucht und sofort mit der Planung und Anfertigung begonnen worden. «Da war ich beschäftigt, schliesslich musste ich drei Kostüme anfertigen: für mich, meine Tochter und meinen Mann», berichtet sie. Trotz allem Stress sei die Fasnachtszeit mit der Guggenmusik ein unvergessliches Erlebnis, das sie nicht missen möchte. Eine weitere Ebene ihrer Kreativität entdeckte Margrit Gujer in einem Malkurs Anfang der 1990er Jahre in Kloten. Ihr einstiges Lieblingsfach Zeichnen und Malen erlebte eine Wiedergeburt und sie startete ihr nächstes Hobby. Ihr bevorzugtes Sujet sind Blumen, deren Schönheit sie in Ölfarben in ihren Bildern verewigt. Daneben malt sie auch Landschaften und Tiere und so zieren zahlreiche Bilder ihr Atelier und ihre Wohnräume. Es sei kein Geheimnis, dass jeder Künstler/jede Künstlerin ihre Werke auch einem grösseren Publikum vorstellen möchte, bemerkt sie. So habe sie in den vergangenen Jahren an verschiedenen Ausstellungen in der Region ihre Bilder zeigen können. An den «Tagen der offenen Türen» im Dorfzentrum Wangen habe sie kürzlich zum 3. Mal teilgenommen, an denen nach 2017 Kunstschaffende aus Wangen-Brüttisellen ihre kreatives Gestalten wieder einmal vorstellten. Aber auch das Schwyzer Örgeli hat es Margrit Gujer angetan. Nachdem sie der Guggenmusik ade gesagt hatte, geriet das Musikmachen etwas in Vergessenheit. In den Neunzigern und mit Vorkenntnissen vom Akkordeonspiel sowie einem Jahr Musikunterricht musiziert sie nun regelmässig jede Woche mit zwei und alle vierzehn Tage mit drei anderen Spielerinnen. Beiläufig erwähnt sie: «Wir hatten als Chriesbächler Huusmusik Auftritte in Altersheimen und an Geburtstagen, was uns viel Spass machte.» Mit Verlaub sei festgestellt, Margrit Gujer wird es in der Zukunft nicht langweilig werden! Stilvolle Badezimmer- Umbauten. Ihr kompetenter Sanitärfachmann für Sie im Einsatz. Markus Bühlmann 8306 Brüttisellen 043 495 51 61 office@mb-service.ch mb-service.ch Pflege ist Privatsache. www.private-care.ch 044 523 72 72 | info@private-care.ch seit 2008

Kurier Nr. 47 19.11.2020 Dorfspiegel Dietlikon 3 Zum 80. Geburtstag von Giovanna Mazzola 80 deutsch-italienische bewegte Jahre Giovanna Mazzola wurde als Giovanna Giulivi am 18. November 1940 im italienischen Montelepre in der Provinz Palermo auf Sizilien geboren. Seit ihrem 23. Lebensjahr wohnen sie und ihr Mann Federico in Dietlikon. Ihre vier Kinder wurden alle in Uster geboren und die weitverzweigte Familie ist gross. Yvonne Zwygart Jubilarin Giovanna Mazzola erinnert sich: «Das Dietlikon, welches ich aus den Sechzigerjahren kenne, war ein kleines Dorf mit vielen Geschäften, einer Kirche und einer Schule. Viele Bauern unterhielten hier ihre Höfe. Es war ländlich und ruhig und ähnelte irgendwie der aktuellen Pandemie-Situation. Man hörte die Traktoren auf den Feldern tuckern, die Vögel zwitschern und die Kühe muhen. Ich kann mich an die grossen sommerlichen Blumenwiesen und die uns umgebenden Äcker erinnern. Die Leute waren stets freundlich zueinander und man kannte sich mit Namen. Es verkehrten nicht viele Autos auf den Strassen und es fuhren keine Busse. Wir radelten sommers wie winters mit dem Velo zur Arbeit oder in die Migros nach Wallisellen zum Einkaufen. Später fuhr der Migrosbus auch Dietlikon an, das war ein willkommener Luxus.» Erste Behausung in der Riedmühlestrasse Der 17. April 1961 war für den gebürtigen Italiener Federico Mazzola das Einreisedatum in die Schweiz. Auf einer seiner Reisen in die italienische Heimat entdeckte er, welch hübsche Maid aus Giovanna geworden war, die er seit ihrer Geburt kannte, und verliebte sich in sie. 1962 wurde Verlobung gefeiert, und am 20. Januar 1964 heiratete Federico seine Giovanna. Vis-à-vis der Dietliker Firma Alfredo Piatti befand sich das erste Zuhause des jungen Ehepaares. Mit noch weiteren Bewohnern bildeten sie eine Art Wohngemeinschaft. Das war damals die für sie einzig bezahlbare Lösung, denn der Lohn von Federico war niedrig – er erhielt pro Stunde 3.50 Franken von seinem Arbeitgeber, der Alfredo Piatti AG. Das junge Paar fühlte sich ansonsten sehr wohl und genoss die gemeinsame Zeit. In den kalten Monaten wurde es unangenehm, denn man spürte die Kälte. Es gab im Haus noch keine Zentralheizung. Draussen lag jedes Jahr bis zu einem Meter Schnee. Giovanna arbeitete mittlerweile in der Schuhfabrik Walder in Brüttisellen. Dies empfand sie als sehr anstrengend, auch wenn der Weg dorthin nicht weit war. Zum Glück währte diese Berufstätigkeit nicht lange. Sie wurde schwanger und am 20. Februar 1965 erblickte ihre erstgeborene Tochter «Vita» das Licht der Welt. Ein neues Zuhause Nun war Giovanna Vollzeitmutter. Zwischenzeitlich hatte die Familie ganz in der Nähe ein neues Zuhause gefunden. Es gab dort viel mehr Platz und einen schönen grossen Garten. Am 1. Juli 1966 folgte Sohn Giacomo, 22 Monate darauf am 25. Mai 1968 Tochter Claudia und zum Abschluss am Heiligen Abend des Jahres 1977 Nesthäkchen Evelina. Federico arbeitete als Maurer und widmete sich in seiner Freizeit der Familie, dem Garten und auch dem Vereinsleben in Dietlikon. Giovanna erinnert sich: «Einen Boiler hatten wir nicht. Wir mussten Holz verbrennen, um zu kochen oder um warmes Wasser für die Wäsche oder zum Baden zu haben. An Bewegung fehlte es uns durch die tägliche Arbeit nicht. Die hielt uns fit und wir waren dadurch am Abend wohlig-erschöpft, so dass wir sehr gut schlafen konnten. Heute treiben alle Leute Sport, um einen Ausgleich zum Alltag zu finden. Als Mama war mir die Ernährung meiner Familie immer extrem wichtig. Ich kochte gesundes Gemüse und wenig Fleisch. Pasta und Pizza und ein Glas Chianti durften ab und an auch nicht fehlen, genauso nicht wie eine Tasse feinen duftigen Espressos aus der «Mokka-Maquina» und ein grosses Stück Schweizer Nuss- «Wir durften später verhältnismässig viele Länder bereisen und einige schöne Städte erkunden» Giovanna Mazzola «Immer aktiv sein, die Familie um sich haben, harmonisches Zusammenleben»: Jubilarin Giovanna Mazzola. (Foto yz) Schokolade dazu. Frische Eier, Äpfel, Rüebli und Kartoffeln holten wir beim Bauern. Die frische Milch und unseren Käse kauften wir im Milchlädeli an der Bahnhofstrasse und frisches Brot beim Beck. Bis heute verwöhne ich meine Familie mit Lasagne, zeitgemäss nun auch in der vegetarischen Variante und zum Dessert bereite ich eine echt italienische «Crema della Nonna». Wir gingen selten in ein Restaurant, das war zu teuer. Wir waren auch kaum abgelenkt durch Smartphones, Tablets, Games oder durch das Internet. Was wir jedoch besassen, war ein Radio mit sechs Sendern sowie einen Plattenspieler und unsere gegenseitige Gesellschaft.» Der technische Fortschritt hielt Einzug Die Jubilarin fährt fort: «Die Technisierung hielt auch bei uns Einzug. Wir konnten uns bald einen schwarzweiss-Fernseher der Marke Telefunken und ein kleines Auto leisten. Das war toll. Damit ging eine Welt für uns auf. Wir konnten mit der Familie im Auto nach Italien in meinen Heimatort Montelepre reisen. Die Sonne und das Meer waren immer wichtig für unsere Erholung. Wir durften später verhältnismässig viele Länder bereisen und einige schöne Städte erkunden. Heute bleiben wir Zuhause – alters- und natürlich auch pandemiebedingt. Ich habe das Glück, einen tollen Ehemann an meiner Seite zu haben. Ich bin mit Federico im kommenden Januar 57 Jahre verheiratet, genauso lange, wie ich in Dietlikon lebe. Meine Kinder sind alle glücklich verheiratet und wir haben neun fantastische Enkelkinder. Unsere Verwandtschaft verteilt sich in Dietlikon und im Nachbardorf Brüttisellen. Wir sind aktive Kirchgänger und seit vielen Jahren im Turnverein (TVD) aktiv. Wenn es einen Blutspendetermin da im Dorf gab, haben wir ihn sicher wahrgenommen. Unser italienischer Verein «Colonia Libera Italiana» war viele Jahre sehr präsent im Dorf. Das Dorf lebte durch verschiedene Festivitäten: Erster August, Turnerchränzli, Musik im Dorf, Sternstunden, Weihnachten. Davon konnten wir zum Glück viele miterleben. Es geht uns heute sehr gut und wir geniessen nach wie vor die gemeinsamen Tage. Möchte jemand mein Geheimnis wissen? Hier ist es: Immer aktiv sein, die Familie um sich haben, harmonisches Zusammenleben, Verwandte und Freunde treffen, sich austauschen, versuchen, ein guter Mensch zu sein und vor allem: Gut, gesund und fein essen. Ein Glas Rotwein gönne ich mir ab und zu und am Wochenende einen Grappa. Das Walken im Wald bei fast jeder Witterung mit einer kleinen Gruppe möchte ich auch erwähnen. Abschliessend habe ich euch einen Tipp: Feiert jedes Fest, denn jeder Grund ist gut genug, um zusammen wunderbare und unvergessliche Momente zu erleben. Im Moment ist das gemeinsame Feiern zugegeben leider nicht gut möglich. Ich möchte mich bei der Gemeinde Dietlikon, der Katholischen Kirchgemeinde Sankt Michael, dem Turnverein und beim «Kurier» herzlichst bedanken. Meinem Mann, meinen Kindern und meinen Enkelkindern schicke ich einen Riesenkuss. Wenn die Pandemie vorbei ist, könnt ihr uns gerne auf einen Kaffee besuchen kommen.»

Gemeindezeitung Kurier