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2 Dorfspiegel Dietlikon

2 Dorfspiegel Dietlikon / Wangen-Brüttisellen Kurier Nr. 43 22.10.2020 Das Jahr 2020 ist an vielen Menschen unglaublich schnell vorbeigegangen, und wo doch gerade erst noch Sommerferien waren, steht nun bereits der Winter vor der Tür. Was Philip Markwalder und das OK-Team des neu gegründeten Weihnachtsmarktes Dietlikon verhindern wollen, ist, dass Weihnachten nun ebenfalls ins Wasser fällt. Genau aus diesem Grund haben sie den neuen Verein Weihnachtsmarkt Dietlikon gegründet – um die alte Tradition nicht zu verlieren, sondern sie aufzunehmen und weiterzuführen. Die Anfänge online Nachdem der Handball-Club sich als Organisator des Weihnachtsmarktes zurückgezogen hatte, war die Zukunft des Marktes unklar. Aufgrund dessen gründete Philip Markwalder gemeinsam mit seinen Kameraden den neuen Verein, der einzig und allein dem Weihnachtsmarkt Dietlikon und seiner Erhaltung gewidmet sein soll. Zusammengefunden haben die vier Männer, die den Vorstand des Vereins Weihnachtsmarkt Dietlikon bilden, über gemeinsame Interessen. Diese standen bereits mit Weihnachten in Verbindung. So kannten sich Philip Markwalder, Beat Gisin und Roger Schindler schon aus der St. Nikolausgesellschaft Dietlikon/Wangen-Brüttisellen. Ihr jüngstes Mitglied, Michael Gringmuth, stiess über eine Publikation im Kurier hinzu, wo die Idee des Weihnachtsmarktes sein Interesse erweckt hat. Die Anfänge des Vereins gingen via Skype über die Bühne. Die vier trafen sich online und erarbeiteten die ersten Punkte ihres Projektes. Mit der tatkräftigen Unterstützung der Gemeinde Dietlikon und dem GID, Gewerbe und Industrie Dietlikon, wurde die Basis gelegt, die nötig war für die Durchführung des Weihnachtsmarktes. Die Lage wurde mit der Feuerpolizei abgeklärt, Parkplatzkonzepte wurden entworfen und der Kern des Marktes festgelegt: der Dietliker Dorfplatz. Weihnachtsstimmung im Dorf Die Dorfstrasse wird somit das Zentrum für den Weihnachtsmarkt bilden. Ihr entlang sollen mehrere Stände aufgebaut werden, welche alles anbieten, was zu einem Weihnachtsmarkt gehört: für genügend Essen wird gesorgt sein, genauso wie Weihnachtsdekoration und Kerzenziehen. Bei der Frage, ob überhaupt Interesse unter den Ausstellern bestünde, sehen Philip Markwalder und Beat Gisin keine Zweifel. «Wir rechnen sogar eher damit, Absagen erteilen zu müssen», meint Philip Markwalder. Viele Aussteller sind also daran interessiert, sich am Getümmel des Marktes zu beteiligen. Sie bieten Weihnachtsdekoration an, Postkarten, Kerzenziehen, sogar Chöre werden auftreten. Um die weihnachtliche Stimmung in Zeiten von Abstandsregeln und Schutzmasken garantieren zu können, sehen Philip Markwalder und Beat Gisin mehrere Optionen. Beginnen werden sie mit der Dekoration: Den Eingang zum Markt werden zwei grosse Weihnachtsbäume schmücken, welche die Besucher in der weihnachtlichen Welt willkommen heissen werden. Zudem wird der Samichlaus dem Markt einen Besuch abstatten, und ein Gospelchor könnte weihnachtliche Stimmung verbreiten. Am Ende wollen sich die Veranstalter aber auch auf die Fähigkeit jedes einzelnen Besuchers verlassen, sich selbst in dieser Welt zu verlieren und dem Weihnachtsgefühl hinzugeben. Komplett vergessen wird die Realität jedoch nicht. Der Verein habe eine grobe Idee eines Corona- Schutzkonzeptes, und wie es umgesetzt werden soll. Vor den Ständen muss der 1.5-Meter-Abstand eingehalten werden, Restaurationsbetriebe führen Contact Tracing und Maskentragen wird empfohlen. «Das Schutzkonzept ist noch nicht komplett ausgefeilt», sagt Philip Markwalder. Es stehe noch immer in Entwicklung und werde laufend der aktuellen Situation angepasst. Sämtliche gesetzlichen Regeln würden jedoch eingehalten und man verlasse sich ebenfalls auf die Eigenverantwortung jedes Marktbesuchers, die Empfehlungen, wie beispielsweise das Maskentragen, umzusetzen. Ein grosser Dank an die Gemeinde Dass die Organisation nun von einem ganz eigenen Verein übernommen wird, hat nach Philip Markwalder mehrere Vorteile. Einerseits steht der Weihnachtsmarkt so als einziges Projekt im Vordergrund, und die Planung wird nicht überschattet von weiteren Vorhaben, welche im Verein noch aufzufinden sein könnten. Andererseits wird auch gewährleistet, dass die finanzielle Unterstützung durch die Gemeinde Dietlikon und weitere Sponsoren, sowie die direkten Einnahmen nur dorthin kommen, wohin sie gedacht sind: zum Weihnachtsmarkt. «Natürlich verdanken wir auch sehr viel der Unterstützung durch die Gemeinde Dietlikon und den GID», betont Philip Markwalder im Gespräch. Die Gemeinde Dietlikon hätte ihr Vorhaben nicht nur genehmigt, sondern sich auch grosszügig dafür eingesetzt, mit finanziellen Mitteln und Infrastruktur, sodass es schlussendlich auch realisiert werden konnte. Hierfür sei das Organisationsteam sehr dankbar. Optimistische Aussichten Dank viel Unterstützung und mit der Vorfreude der Bevölkerung als motivierenden Faktor blickt der Vorstand des Vereins Weihnachtsmarkt Dietlikon gespannt auf das Jahresende. Am Samstag, dem 5. Dezember 2020 soll der Weihnachtsmarkt stattfinden und der Gemeinde Dietlikon und seinen Einwohnern garantieren, was vielen Menschen dieses Jahr gefehlt hat: Das gemütliche Beisammensein inmitten entspannter, festlicher Stimmung. www.weihnachtsmarkt-dietlikon.ch

Kurier Nr. 43 22.10.2020 Dorfspiegel Dietlikon 3 Ein Besuch auf der «Amtlichen Pilzkontrollstelle» Geniessbar oder nicht? Alles, was an Pilzen in Dietliker und umliegenden Wiesen und Wäldern geerntet wird, sollte vor dem Verzehr der «Amtlichen Pilzkontrolle» in Kloten zugeführt werden. Andernfalls könnte der eine oder andere Haubenträger sogar nach der Zubereitung schwer im Magen liegen – denn nicht alle sind geniessbar. Yvonne Zwygart Im Atrium der Evangelisch-Reformierten Kirchgemeinde in Kloten duftet es angenehm würzig nach Walderde und herbstlichen Pilzen. Hier findet alljährlich zwischen August und Oktober die Pilzkontrolle statt. Alles, was an Pilzen aus den umliegenden Wäldern – oder wo auch immer sie gewachsen sein mögen –, geerntet wird, sollte der Pilzkontrolle zugeführt werden. Jeannine Bollinger und Hanna Schmid, ihres Zeichens Pilzkontrolleurinnen, sind dort im Einsatz. Im Hardwald zwischen Dietlikon, Wallisellen, Opfikon und Kloten lassen sich verschiedene Speisepilze finden, welche so illustre Namen tragen wie «Violetter Lacktrichterling», «Krause Glucke», «Hallimasch» oder «Täubling». Viele Pilze wachsen in einer Symbiose mit und an Bäumen und sind hochwertige Eiweisslieferanten. Sie sind dazu ein Geschenk der Natur und erst noch gratis. Wichtig ist, dass man Pilze in einem Korb, in einem Stoffsack oder in Papier transportiert. Ein Pilz muss atmen können, sonst verdirbt er rasch. Bollinger nimmt die Naturerzeugnisse vorsichtig mit beiden Händen aus dem Körbchen und legt sie in ein Behältnis, welches auf einer Küchenwaage steht. «17 Gramm Semmelstoppelpilze, 219 Gramm Steinpilz, 32 Gramm Pfifferlinge», vermeldet sie ihrer Kollegin und benennt damit, was sie vorfindet. Hanna Schmid kreuzt diese nun im Pilzkontrollblatt an entsprechender Stelle an. Von diesem Kontrollblatt bekommt der Pilzesammler nach fertiger Kontrolle einen Durchschlag mit nach Hause und die Empfehlung, die Pilze baldmöglich zuzubereiten – oder sie zu trocknen oder einzufrieren. Erkennt Bollinger ungeniessbare Pilze, wandern diese erst einmal auf einen Haufen nebendran und werden anschliessend auch noch auf dem Kontrollschein erfasst. Darüber muss ans «Kantonale Labor» Meldung gemacht werden. Zu alte Pilze sollte man ebenfalls nicht mehr essen, denn daraus können Vergiftungen resultieren. Bollinger erzählt: «Ein Kollege von mir hat «Grosse Champignons» im Wald gefunden. Diese riechen, wenn man sie in der Pfanne anbrät, nach Karbol, also nach Tinte. Wenn sie unangenehm duften, gehören sie zu den giftigen Karbolchampignons. Den Kollegen hat der etwas penetrante Geruch nicht gestört. Er hat einfach noch ein wenig Speck dazugetan und diese Mahlzeit verspeist. Später landete er im Spital.» Wird ein giftiger Pilz angeliefert, beispielsweise ein «Knollenblätterpilz» oder ein «Orangefuchsiger Raukopf», gilt: Giftpilze werden immer einbehalten. Auf keinen Fall dürfen diese verspeist werden – isst man sie wider besseres Wissen, geht dieses Mahl ziemlich sicher tödlich aus. Auch der Geruch hilft mit bei der Unterscheidung Wenn sich Bollinger einmal nicht ganz sicher ist, ob ein Exemplar nun geniessbar ist oder nicht – so schön es auch gewachsen sein mag – behilft sie sich zusätzlich mit ihrem Geruchssinn. Diese olfaktorische Kontrolle hilft manchmal entscheidend, die Spreu vom Weizen zu unterscheiden. Manchmal muss sie dazu einen Pilz aufschneiden, um ihn geruchlich zu erfassen und um das Innere anzuschauen. Danach lässt sich einschätzen, wie alt ein Pilz ist. Es gibt eben auch runde Pilze, deren Inneres man erst durch Aufschneiden sichtbar machen kann. Diese sogenannten rundgewachsenen «Stäublinge» müssen innen reinweiss sein, damit sie geniessbar sind. Ist ihr Inneres bereits dunkel verfärbt, müssen sie leider weggeschmissen werden. Ein Pilzesammler hat einen «Nebelgrauen Trichterling» gefunden. Bollinger fragt ihn: «Haben Sie diese Sorte Pilz schon einmal gegessen? Falls nicht, empfehle ich es Ihnen nicht, denn er löst am meisten Unverträglichkeiten aus.» Ihn soll man fünf Minuten in Wasser kochen lassen, dann das Kochwasser weggiessen und den Pilz dann anschliessend fertigkochen. Zwei Frauen kommen mit ihren beiden Kindern vorbei und präsentieren ihre gesammelten Waldschätze. Leider ist davon mehr als die Hälfte nicht essbar und Jeannine Bollinger erklärt den Kindern, dass es im Wald viel mehr Pilze gibt, die man nicht essen kann als solche, die zu den Speisepilzen gehören. Ein Mann asiatischer Herkunft bringt ebenfalls sein Gesammeltes und muss davon zwei Drittel auf der «Amtlichen Kontrollstelle» lassen. Dies lässt auch ihn sichtlich enttäuscht von dannen ziehen. Ein etwa dreizehnjähriger Knabe bringt seinen Vater zur Pilzkontrolle mit und führt «Goldröhrlinge» Pilzkontrolle: Jeannine Bollinger (l.), Hanna Schmid. (Fotos yz) und «Graue Lärchenröhrlinge» vor. Ob er diese mit einer Pilz-App bestimmt hätte, fragt ihn Bollinger. Nein, meint der Jugendliche, er habe sich mit einem Buch über Pilze beholfen. Und freut sich: «Diese Pilze sind direkt neben unserem Haus gewachsen.» Das lässt darauf hoffen, dass diese an derselben Stelle auch im kommenden Pilzjahr wieder spriessen werden. Das Angebot der Pilzkontrolle wird rege genutzt Die Pilzsaison ist offiziell Ende Oktober zu Ende. Gesammelt werden darf immer ab dem zehnten Tag bis Ende Monat. Die Zeit dazwischen wird den Waldprodukten belassen, damit sie in Ruhe nachwachsen können. Am Tag des Kurierbesuchs «brummt» der Laden in der Pilzkontrolle. «So viele Leute hatten wir schon lange nicht mehr hier», freuen sich die beiden pilzkundigen Damen. Insgesamt haben an diesem Abend 16 Personen ihren Fund der Pilzkontrolle vorgeführt. Auf die Frage, wie gut die diesjährige Pilzsaison gewesen sei, sagt Bollinger: «Es war keine so gute Saison, auch wenn die Regenfälle zu Beginn des Jahres diese erwarten liessen. Essbare Pilze gab es nicht so viele wie in den vorangegangenen Jahren. Nichtsdestotrotz liessen sich im Hardwald verschiedene Speisepilze finden, also die Varietät der Pilze war gross.» Auf die Frage, wie gut eine App helfen kann, die Pilze zu unterscheiden, erklärt sie sie: «Eine App ist immer nur so gut wie ihr Benutzer. Eine Pilz-App kann helfen, gute Vorentscheide zu treffen, ob man einen Pilz nun mitnehmen oder besser stehenlassen sollte. Und sie kann via Handy besser mitgeführt werden als ein ganzes Buch über Pilze.» Was Bollinger und Schmid antreibt, als Pilzkontrolleurinnen zu amten, ist pure Leidenschaft. «Meine Eltern waren bereits Pilzkontrolleure», erzählt Schmid, «damit bin ich auf- und später ins Amt hineingewachsen.» Bei Bollinger waren es die zahlreichen Waldbesuche, die sie mit ihren Kindern unternahm, als diese klein waren. Später hat sie sich mit Kollegen über Pilze auszutauschen begonnen und das «Geruchliche» über diese hat ihr ein anderer Pilzkontrolleur weitergegeben. Dieses Wissen ist Spezialwissen. Insofern ist ihnen beiden ihr Job sicher, solange es Pilze geben wird. Beide sind bei der Stadt Kloten angestellt und bekommen einen Lohn für ihre Tätigkeit. Damit tun die beiden Damen einen wertvollen Dienst für die Volksgesundheit. Selbstverständlich ist auch in der «Amtlichen Pilzkontrollstelle» ein Schutzkonzept nach BAG-Vorgaben vorhanden: Maske tragen, Abstand halten und maximal sechs Personen dürfen sich gleichzeitig im Raum aufhalten. Desinfektionsmittel steht ebenfalls parat. Nicht essen! Aufgeschnittene giftige Härdöpfelboviste.

Gemeindezeitung Kurier