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2 Dorfspiegel

2 Dorfspiegel Wangen-Brüttisellen Kurier Nr. 13 26.3.2020 Keine neue Situation Die Situation sei ja nicht ganz neu, ähnliche Massnahmen, aber natürlich nicht in diesen Ausmassen, habe man schon früher zum Beispiel unter der Bedrohung von SARS, der Vogel- und der Schweinegrippe treffen müssen, erklärte am Donnerstag, 12. März Heidi Schaad, Zuständige für Gesundheit von der Schulpflege Dietlikon. Deshalb seien in allen Schulhäusern der Gemeinde bereits Seifenspender installiert und per sofort wieder von Handtrockentüchern auf Papier umgestellt worden. Der schulinterne Krisenstab erarbeitete weitere Richtlinien zum Schutz von Kindern, Lehr- und Wartungspersonal. Das Reinigungsteam wurde zusätzlich mit Gummihandschuhen ausgerüstet und angewiesen, überall stets zu desinfizieren. Grössere Veranstaltungen, wie der Besuch einiger Klassen im Bundeshaus Bern, ein Puppentheater, Elternveranstaltungen und die Informatiktage Durch die Digitalisierung sind mittlerweile alle Schülerinnen und Schüler gut vernetzt. beim Kanton wurden abgesagt. Auch in Wangen-Brüttisellen trat ein Krisenstab zusammen, um Massnahmen zum Schutz von Kindern und Mitarbeitern bis hin zum Aufstellen von Ständern für Desinfektionsmitteln auszuarbeiten. Es wurden mögliche Klassenzusammenlegungen erwogen, um den Unterricht bewältigen zu können, sollten mehrere Lehrkräfte ausfallen. Der Gemeindevorsteher Bildung, Roland Wehrli, koordinierte die Massnahmen in Zusammenarbeit mit den Schulleiterinnen und Schulleitern und in Kontakt mit dem Schulärztlichen Dienst und dem Volksschulamt. Natürlich sollten allerorts Kinder, die Kontakt mit infizierten Personen hatten, positiv getestet wurden, oder Anzeichen einer Erkältung zeigten, zuhause in Quarantäne bleiben. Neues Schulfach: Virologie Erich Maggioni, Lehrer an der Sekundarschule Hüenerweid in Dietlikon, bedauerte den Abschied von der sympathischen Begrüssungskultur an seiner Schule. Händeschütteln falle nun weg, sagt er noch am 12. März. Doch könne man damit auch kreativ umgehen, in einigen Klassen hätten die Lehrpersonen Begrüssungsrituale in aller Welt zum Thema gemacht. Die Schülerinnen und Schüler seien ausserordentlich neugierig und wollten alles wissen über das Coronavirus, den Vorgang der Infektion, Mutationen des Virus, was im Unterricht natürlich aktuell thematisiert worden sei. In seiner Klasse blieben im Moment Kinder eher wegen Erkältungssymptomen zuhause als sonst, die Eltern seien vorsichtiger, und trügen positive Eigenverantwortung. Erich Maggionis Klasse sei den Umgang mit den elektronischen Medien gewohnt, sein Matheunterricht funktioniere bereits mit Hilfe von Arbeitsblättern in der Cloud. Falls es zu einer Schuleinstellung kommen sollte, sei man an der Sek vorbereitet. Die Schuleinstellung Am Freitag Nachmittag, dem 14. März, folgte dann das Verdikt «Schuleinstellung bis mindestens 9. April» nicht unerwartet, aber trotzdem überraschend. Der Schulleiter der Sekundarschule Dietlikon, Reto Valsecchi, sah seine Schule gut vorbereitet. Durch die Digitalisierung seien alle Schülerinnen und Schüler gut vernetzt und erreichbar, alle hätten ihre E-Mail Adressen. Sie würden nun damit aufgefordert, zu bestimmten Terminen ihre Arbeitsunterlagen abzuholen, um zuhause arbeiten zu können. Man müsse ihnen Strukturen bieten, täglich Rückmeldungen einholen, den Fernunterricht aufbauen. Zwar sei das Wochenende für ihn stressig gewesen, der Krisenstab habe am Freitag bis spät getagt und ein Konzept erarbeitet, er sei erst nach Mitternacht ins Bett gekommen. Alternative Fernunterricht Nun sei aber alles dank der guten Vorbereitung soweit aufgegleist, dass die Lehrpersonen loslegen könnten. Auch Primarschule und Kindergarten seien weitgehend vernetzt, nur wenige Eltern hätten noch telefonisch benachrichtigt werden müssen. Für alle Fälle sei eine Notbetreuung für die Kleinen vom Kindergarten und für Primarschüler eingerichtet. Eltern könnten ihre Kinder im absoluten Notfall jeweils am Vorabend bis um 17 Uhr für diese dezentrale Betreuung in den verschiedenen Schulhäusern anmelden, müssten ihnen das Mittagessen aber mitgeben. Immer neueste Informationen Aktuelle Meldungen können die Eltern der Dietliker Kinder auf der elektronischen Schul-App oder auf der Homepage ihrer Schule einsehen. Ähnliches gilt auch für die Eltern in Wangen-Brüttisellen, denn viele seien zunächst verunsichert gewesen und hätten ein grosses Informationsbedürfnis gehabt, wie die Schulleiterin des Primarschulhauses Steiacher, Nadja Calörtscher, erzählt. Ihr Telefon sei in den letzten Tagen heiss gelaufen. Am Wochenende vom 14. und 15. März mussten erste Notfallmassnahmen aufgegleist, alle Lehrpersonen über die Schuleinstellung informiert, möglichst alle Eltern erreicht und Lernunterlagen für die Schülerinnen und Schüler bereitgestellt werden. Es ging hektisch zu, denn der Zeitpunkt der Bekanntmachung der Schuleinstellung am Freitag sei doch sehr ungünstig gewesen, man habe die Kinder nicht mehr in der Schule darauf vorbereiten können. Am Dienstag, 17. März konnten die Eltern gestaffelt zwischen 8 und 12 Uhr auf angegebenen Durchgängen in der Schule die Lernpakete für ihre Kinder abholen und diese werden am folgenden Dienstag wieder erwartet. Das klappte ausgezeichnet, die Eltern zeigten viel Verständnis und kooperierten vorbildlich. Notfallbetreuung Eine besondere Herausforderung sei zudem die Betreuung der Kinder gewesen. Dazu habe man mit dem Hortpersonal zusammengearbeitet und einen Betreuungsplan zusammengestellt. Tatsächlich hätten dies aber nur etwa sechs Kinder in Anspruch genommen, denn auch hier hätten die Eltern sehr kooperativ reagiert und sich zum Teil untereinander organisiert. Viele Elternteile seien nun auch zuhause tätig und in der Lage, ihre Kinder zu beaufsichtigen. Ab nächster Woche könne man sein Kind zur Betreuung in der Schule anmelden, wenn man in einem Blaulichtberuf arbeite oder vom Arbeitgeber eine Bestätigung habe, dass die Kinder zuhause nicht beaufsichtigt werden könnten. Kinder brauchen Strukturen Die Elternhäuser seien ganz unterschiedlich strukturiert. Einige Eltern seien verunsichert, was ihre neue Rolle als «Lehrpersonen» zuhause angehe. Deshalb sei es nun wichtig, Erfahrungen zu sammeln und auf die Rückmeldungen der Eltern einzugehen. Man müsse sie unterstützen und ihnen für diese ungewohnte Situation Mut machen. Kreative Lehrpersonen Es seien bereits Videoanleitungen für musische oder gestalterische Arbeiten kreiert worden, nach denen die Kinder zuhause tätig sein können. Das Solidaritätsdenken von allen Beteiligten sei enorm, freut sich Nadja Calörtscher, es mache die schwierige Situation einfacher, wenn alle am selben Strick ziehen. In der letzten Sitzung des Krisenstabs von Wangen-Brüttisellen vom 18. März wurde, wie in Dietlikon auch, eine neue Elterninformation herausgegeben, um damit die Modalitäten von Fernunterricht und Notfallbetreuung verbindlich festzuhalten. Geregelter Schulunterricht Es brauche auch in der Ausnahmesituation einen geregelten Schulunterricht mit Strukturen, erklärte der Bildungsbeauftragte Roland Wehrli. Man habe Lösungen für neu aufgetauchte Probleme gesucht, zum Beispiel im sonderpädagogischen Bereich und versuche sich vorzubereiten, falls eine totale Ausgangssperre verhängt würde. Das Zusammenspiel zwischen Behörden, Schule und Eltern verlaufe sehr kooperativ und erfreulich solidarisch. Auch der Schulleitungskoordinator von Dietlikon, Reto Valsecchi, bestätigt dies. Es komme natürlich zu häuslichen Engpässen, wenn Eltern im Homeoffice arbeiten und Kinder gleichzeitig ihre Aufgaben am Computer erledigen müssen. Deshalb seien alle Schullaptops an Kinder abgegeben worden. Die Sekundarschule habe die bestehende Cloud erweitert, in der die Schülerinnen und Schüler ihre Aufgaben herunterladen und gelöst zur Einsicht der Lehrpersonen wieder eingeben können. Die Lehrpersonen müssten vereinzelt die Aufgaben einiger Kinder zusätzlich telefonisch einfordern, es seien nicht überall geregelte Strukturen vorauszusetzen. Natürlich möchten sich Jugendliche ausser Haus treffen, aus diesem Grund gebe es Konflikte, in denen die Schule die Eltern unterstützen müsse, ihre Kinder möglichst daheim zu behalten. Im Allgemeinen spiele sich das Homeschooling aber gut ein. Um den Kontakt unter den Lehrpersonen zu pflegen, habe kürzlich erstmals eine gemeinsame Videokaffeekonferenz stattgefunden, an der man sich ungezwungen über die ersten Erfahrungen im Ausnahmezustand ausgetauscht habe. Fazit Unsere Schulen haben sich in dieser Situation gut zurechtgefunden, ein funktionierendes Krisenmanagement aufgebaut und mit viel Einsatz Strukturen aufrecht erhalten. So sind Eltern entlastet und unterstützt und die schulischen Fortschritte der Kinder bleiben gewährleistet. Das Homescooling kann natürlich nicht den wichtigen Kontakt zwischen Lehrpersonen und den Schülerinnen und Schülern ersetzen, aber durch konstruktives Zusammenarbeiten entsteht ein neues Gefühl von Verständnis und Solidarität.

Kurier Nr. 13 26.3.2020 Dorfspiegel Dietlikon / Wangen-Brüttisellen 3 Wenn alles gesellschaftliche Leben wegen eines Virus erlahmt Die Situation aus der Sicht der Mütter mit schulpflichtigen Kindern Das Coronavirus beherrscht unser Leben. Wegen der hohen Ansteckungsgefahr herrschen strikte präventive Verhaltensregeln. Bis mindestens am 9. April bleiben die Schulen geschlossen – und danach folgen unmittelbar die Frühlingsferien. Wie Betroffene damit umgehen, erzählt Yvonne Zwygart, freie Kurier-Mitarbeiterin und Mutter. Yvonne Zwygart Die Sportferien sind noch gar nicht so lange vorbei und es gibt bereits wieder neue schulbesuchsfreie Tage: Montag, der 16. März, war der erste Tag, an dem die Schulen inklusive Kindergärten gemäss Weisung des Bundesrates in der Schweiz überall geschlossen blieben. Die SchülerInnen der Sekundarschule Hüenerweid mussten an diesem Montag nochmals gestaffelt in die Schule kommen, um ihre Sachen abzuholen. Die Kitas und Spielgruppen haben noch geöffnet und es ist wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, wann diese ebenfalls schliessen. Lehrpersonen geben Anweisungen per E-Mail und WhatsApp Dienstag, der 17. März: Seit 24 Uhr gilt der Notstand in der Schweiz. Der «Corona-Lockdown» erfordert auch für die an den Schulen beschäftigten Lehrpersonen ein Umdenken: Sie sind gehalten, ihren Schülern Aufträge per E-Mail oder anderen Kanälen nach Hause zu schicken, damit diese dann Zuhause ausgeführt werden können. Das setzt natürlich die dafür nötige Infrastruktur voraus und stellte so manchen erneut vor Probleme, denn nicht immer gibt es für jedes Familienmitglied einen eigenen PC. Zum Glück half und hilft dann die Schule mit Ausleihgeräten weiter. Zahlreiche Eltern haben ebenso auf Verordnung ihres Arbeitgebers auf Home-Office umstellen müssen. Diese für uns alle neue Situation fordert jedem täglich einiges an Flexibilität ab. Eine Schülerin der dritten Sekundarstufe erzählt: «Unsere Klassenlehrerin hat eine WhatsApp-Gruppe eingerichtet, in dem alle unsere Lehrpersonen sowie alle SchülerInnen unserer Klasse drin sind. Geschrieben wird in diesem «Chat» von den SchülerInnen allerdings nicht, er dient nur der einseitigen Übermittlung der Arbeitsanweisungen seitens der LehrerInnen. Wir haben den Auftrag, regelmässig unsere E-Mail zu checken und uns innerhalb von 15 Minuten nach dem Lesen zu melden, damit unsere Lehrer wissen, wer die Infos erhalten hat und wer nicht. Heute steht die Anfertigung eines «Mind Maps» zum Thema Coronavirus auf dem Aufgabenplan sowie der Auftrag, ein Kärtli in Kreditkartengrösse mit allen Notrufnummern für das Portemonnaie der Eltern und sich selbst anzufertigen.» An den Lehrpersonen war und ist es dann, alle Hausaufgaben, die ihnen die Schüler bis meist 13 Uhr einzusenden hatten, anzuschauen und zu korrigieren. Es kam und kommt also auf die Lehrpersonen einiges an Mehrarbeit zu in dieser speziellen Zeit. Die Lehrpersonen reagieren flexibel auf die neue Situation Die SchülerInnen der fünften Klasse eines Gymnasiums in Zürich hatten den Auftrag, bis Dienstag, 17. März, alle noch offenen Hausaufgaben zu erledigen, damit sie ab Mittwoch, 18. März, frei für die neuen Aufträge der Lehrpersonen waren. Die Unterrichtsstunden im Fernunterricht wurden auf die Hälfte reduziert. Es wurden Arbeitsgruppen zu drei oder vier miteinander Lernenden gebildet, welche sich untereinander unterstützen sollen. Die eine Lehre im Pflegebereich absolvierenden Jugendlichen hatten am Montag in der Berufsfachschule Winterthur schulfrei. Auch an den Berufsschulen muss man sich auf die neue Situation einstellen. Es ist wichtig, angstfrei an die Arbeitsstelle zu kommen und seinen Job so gut als möglich zu verrichten. Was sich im Pflegebereich derzeit abspielt, ist gerade auch für die Lernenden eine ausserordentliche Lektion, welche ihnen aber für die Zukunft besondere Kompetenzen beschert. In Zeiten der Coronakrise: Das Zimmer zu Hause wird zum Klassenzimmer. Diese Umstellung ist nicht einfach Wenn sich die Teens bislang auswärts verpflegten, sind jetzt alle wieder am Mittagstisch versammelt. Es liegt auf der Hand, welches das allesbeherrschende Thema ist. Jede neue Info dazu wird interessiert von den anderen aufgenommen und diskutiert. Etwas Vergleichbares hat die Schweiz in den letzten hundert Jahren nicht erlebt. Die Pläne für den Fall einer Pandemie wurden seit der Vogelgrippe vor einigen Jahren ausgearbeitet und konnten somit jetzt schnell Anwendung finden. Von draussen dringt Kinderlachen und Lärm nach drinnen – zum Glück ist das Wetter in diesen Tagen frühlingshaft sonnig und warm. Den UV-Strahlen der Sonne hält dieses Virus nämlich nicht stand. Die Sonne stärkt zudem das Immunsystem durch Umsetzung von Vitamin D im Körper. Glücklicherweise ist es hierzulande noch gestattet, sich draussen aufzuhalten – sofern auf ausreichend Abstandhalten untereinander geachtet wird. Öffentliche Plätze inklusive Pausenplätze sind gesperrt Aber Achtung – seit Donnerstag, 20. März, ist es untersagt, öffentliche Plätze zu betreten. Ausser den Schulen sind auch alle Freizeiteinrichtungen wie Schwimmbäder und Sporthallen geschlossen bis voraussichtlich Ende April. Das schreit nach neuen kreativen Ideen, wie man den Nachwuchs beschäftigen und bei der Stange halten kann. Es braucht Geduld und Flexibilität Eine Mutter, welche ein Kind im ersten Kindergarten hat, erzählt: «Auch auf der Kindergartenstufe ist es so, dass Fernunterricht stattfindet. Die Kleinsten der Volksschule haben auch ihre Wochenpläne zu erfüllen und die Lehrpersonen dieser Stufe haben sich sehr viel überlegt, auch mit den neuen Medien. Da wird beispielsweise ein Bilderbuch beschrieben, oder es werden verschiedene Lieder gelernt. Für Einzelkinder ist es momentan sehr schwierig, da keine Aktivitäten mehr stattfinden und der Tagesablauf zu Hause organisiert werden muss. Darum habe ich mich mit einer alleinerziehenden Mutter eines anderen Einzelkindes zusammengetan und betreue an ein bis zwei Tagen ihr Kind bei uns zu Hause. Momentan ist es für mich eine Herausforderung, den neuen Alltag zu bestreiten, denn ein einziger Tag fühlt sich für mich wie eine Woche an. Es braucht viel Geduld, Flexibilität und Gottvertrauen, dass es am Ende gut kommt. Das tägliche Gebet hilft mir, durch diese Zeit hindurchzukommen.»

Gemeindezeitung Kurier