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2019_21

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2 Dorfspiegel Dietlikon

2 Dorfspiegel Dietlikon / Wangen-Brüttisellen Kurier Nr. 21 23.5.2019 Zeichen setzen Zwei Organisationen für die Spendengelder wurden gesucht. «Pro Huancarani» ist eine Schweizer Stiftung für Entwicklungsprojekte in Bolivien. Neben Hilfe zur Selbsthilfe bietet die gemeinnützige Organisation auch eine Lehrund Produktionswerkstatt für Jugendliche und Erwachsene. Eine eigene Schule bietet Alternativen zur lokalen Staatsschule. Auch die Problematik des Plastikmülls und der richtigen Abfallentsorgung hat es in die Schulklassen der Primarschule Steiacher geschafft. «Bei unserem zweiten Projekt «Trash Hero» geht es uns darum, das Bewusstsein unserer Mitmenschen zu schärfen», fügt Iris an. «Nachhaltigkeit ist uns sehr wichtig. Daher unterstützen wir nicht nur die Organisation «Trash Hero» mit einer Plakataktion, sondern greifen in der Projektwoche selbst zu Eimer und Greifzange», ergänzt die Zehnjährige. «Mit gutem Beispiel vorangehen», lautet denn auch die Devise. Um die beiden Projekte gewinnbringend zu unterstützen, haben die Schülerinnen und Schüler Spendenboxen in Brüttiseller Gewerbebetrieben aufgestellt. «Bei unserer Info-Tour haben wir auch Politiker besucht und selbst gemachtes Z’nüni verkauft», berichtet Iris. Eigene Zeitung In 22 Ateliers wurde gebastelt, gekocht, getanzt oder musiziert. «In unserem Atelier ging es um das Thema Medien und Kommunikation. Im Rahmen der Projektwoche haben wir unsere Zeitung «STAktuell» selbst konzipiert und mit Inhalt gefüllt. Dabei habe ich das Vorwort verfasst», berichtet Dega mit strahlenden Augen. «Jeder, der an diesem Projekt mitgearbeitet hat, hat einen eigenen Text verfasst, fotografiert und Interviews geführt. Mein informativer Text handelt vom Trash Hero», führt Iris an. Mit grossem Eifer schufen die Steiacher-Primarschüler einen eigenen Flohmarkt. (Fotos ha) Neben einem Comic, selbstgestaltetem Kreuzworträtsel und einem Gewinnspiel erhalten die Leser für einen Franken auch zehn Tipps zum Thema nachhaltiges Leben. Ob selbstgemachter Schmuck, Musikinstrumente, Bienenhäuser oder selbstgesäte Kräuter: «Alles musste weg!». Denn zum Abschluss der Projektwoche veranstalteten die Schülerinnen und Schüler am vergangenen Freitagabend einen grossen Markt. Hier informierten sie Eltern, Freunde und Bekannte über ihre einzelnen Projekte und brachten ihre Produkte unter das Volk aus Wangen-Brüttisellen. Die gesammelten Spendengelder sollen nach Wunsch der Schülerinnen zu gleichen Teilen an Trash Hero und an die Stiftung Pro Huancarani gehen. Mit dem Betrag, der der Stiftung zufliesst, wollen die Kids beim Aufbau einer Krankenstation helfen. Ein voller Erfolg «Die Projektwoche war ein voller Erfolg», freut sich Schulsozialarbeiterin Fabienne Böhler. Das flächendeckende Feuer, das die Viertklässlerin bei ihren Mitschülern entfacht habe, sei auch auf das Lehrerkollegium übergeschwappt. Somit sei aus einem ursprünglich geplanten Flohmarkt letztlich eine ganze Projektwoche geworden, erzählt die Schulsozialarbeiterin. «Bedürftigen die Hand zu reichen und sorgsam mit Mutter Natur umzugehen, das ist es, was wir den Kindern mit auf den Weg geben wollen», gibt sich die Schulsozialarbeiterin stolz. Mehr Informationen zu Trash Hero und der Stiftung Pro Huancarani: https://trashhero.org/de/ und www.pro-huancarani.ch Coiffeur «PINO» Damen- und Herrensalon Bühlstrasse 4 neben Café «Bühl» 8305 Dietlikon Telefon 044 833 18 54 Art - Nails Manuela www.artnails.ch ℡ 044 833 18 89 Sanitär Krucker AG Zürichstrasse 38 b Tel. 044 833 35 33 8306 Brüttisellen Fax 044 833 53 35 www.sanitaer-krucker.ch info@ sanitaer-krucker.ch Planung und Ausführung aller sanitären Anlagen Reparatur-Service Boilerentkalkungen Wasch- und Geschirrwaschautomaten

Kurier Nr. 21 23.5.2019 Dorfspiegel Dietlikon 3 Slam Poetin und Comedienne Martina Hügi zu Gast in der Bibliothek Dietlikon «Ich will nicht Vollzeit erwachsen sein» Was Rucola und die Ehe gemeinsam haben? Beide sind bitter. Die Slam Poetin und Kabarettistin Martina Hügi lässt in ihrem ersten abendfüllenden Programm «Delirium» nichts und niemanden ungeschoren davonkommen – Alltagssatire vom Feinsten in der Bibliothek Dietlikon. Laura Angst «Man hat mir gesagt, ich solle zu Beginn etwas Aufbauendes machen», erzählt Martina Hügi. Gesagt, getan – mit Buchstabenklötzen baut die sympathische 33-jährige während ihrem Auftritt in der Bibliothek Dietlikon verschiedene Wörter zu einer Geschichte. «Legobauen für Poeten», nennt sie es schmunzelnd. Was folgt sind in Lieder, Monologe und Gedichte verpackte Anekdoten aus ihrem Leben als Primarschullehrerin, Heilpädagogin und über das öde Aufwachsen in einem Thurgauer Kaff. Ihr erstes abendfüllendes Programm, mit welchem sie erst vor Kurzem in Kreuzlingen Premiere gefeiert hat, sei ein Mix aus Poetry Slam und Kabarett. «Ein Kabarett hat aber definitionsgemäss einen roten Faden», erklärt sie. Dieser fehle bei ihrem Programm, schliesslich soll es ja auch ein wenig das Chaos in ihrem Leben versinnbildlichen. Denn von genau da komme auch die Inspiration: «Es ist ein aufmerksames durchs Leben gehen.» Eine «Luus-Luus-Situation» «Mein Dialekt ist ein Verhütungsmittel», verkündet Hügi im breiten Thurgauer Dialekt und erzählt gleich zu Beginn des Abends, wie die Pädagogik ihr Leben ruiniere. Nämlich immer dann, wenn sie auch im Sexleben grüne Kleber für Fleissarbeit verteilt oder aufs Grobziel verweist, welches an der Schlafzimmertür hängt. Manchmal fühle sie sich gar so verloren, dass sie sich an der Migros Kasse selber ausrufen lässt. Doch wenigstens ihren Kunden, also den Schülern, begegnet sie aufgrund ihrer Körpergrösse auf Augenhöhe. Doch gerade deshalb sei der Sprung zu ihrem Haar auch in der Laus-Saison nicht weit. «Das ist eine ganz schöne Luus-Luus-Situation», witzelt Hügi. Die Kraft der Literatur Schnell wird klar: Die Poetry- Slammerin weiss, wie man mit der Sprache spielt. Und das gefällt auch dem Dietliker Publikum: «Erfrischend kreativ», «auf diese Ideen und Wortspiele muss man erst mal kommen», «diese Vielfältigkeit», «sympathisch, wie sie sich Alte sind glücklicher als Junge, sagt Slam Poetin Martina Hügi. Denn: «Jungsein ist nur auf französisch jeune.» (Foto la) selbst auf die Schippe nimmt», hallt es während dem anschliessenden Apéro durch die Dietliker Bibliothek. Auch die Bibliotheksleiterin Karin Wiestner zeigt sich begeistert: «Sie hat sich auf den Kreislauf, das Thema unserer Veranstaltungsserie in der Bibliothek Dietlikon, bezogen und extra für uns geslammt. Es hat wie die Faust aufs Auge gepasst.» So slammte Hügi vom Kreislauf des Lebens, mit der Bibliothek Dietlikon als eine Art «Gedankenrecycling-Stelle». Und die Kraft der Literatur? «Liegt darin, dass sie Lücken füllt durch Phantasie», so Hügi. Die Ehe ist wie ein Hometrainer Immer wieder wird das Publikum gefragt, wie es denn ihnen so mit dem eigenen Leben gehe. Dabei regt Hügi mit bewusst provokativen Texten auch zum Denken an. So zum Beispiel mit der Frage, ob die Zuschauenden eine glückliche Beziehung führen – oder ob Anziehungskraft beim Partner bedeutet, dass man froh ist, wenn er sich anzieht? Wenn wir schon beim Thema Beziehungen sind: Die Ehe sei für Hügi wie Rucola, nämlich bitter. «Eine Ehe ist wie ein Hometrainer», slammt sie. Was man am Anfang noch mit viel Enthusiasmus besteige, verstaube später in der Ecke und verdecke die Sicht auf den Fernseher. Problemzone Kopf Doch Beziehungsprobleme sind nicht die einzigen gesellschaftskritischen Pointen, die das Programm von Hügi zieren. Auch dem Gewichtswahn sagt sie in einem Lied den Kampf an und wünscht sich, dass wir für einmal nicht das Gewicht, sondern uns selber schätzen. Denn: «Die Problemzone ist der Kopf», singt sie. «Ohne ihn wäre der Bauch einfach eine runde Sache.» Keine runde Sache sei hingegen, dass alle immer am Handy kleben. «Ausweg aus dem ständigen Handygebrauch kann schon eine kleine Begegnung sein», weiss Hügi. Sowie letztens, als sie sich im Migros einen gefüllten Einkaufswagen ausgesucht habe und alle Sachen wieder in die Regale zurückgelegt habe. Oder wenn sie tiefergelegten BMWs einen Hello Kitty Sticker aufklebt – mit Sekundenkleber. Der Sinn der Sache? «Ich will doch nur, dass die Leute vom Handy aufschauen und einander wieder wahrnehmen.» Zum Schluss gibt sie dem begeisterten Publikum in Dietlikon noch weitere Ideen auf den Weg, wie auch sie die Leute zum «aufschauen» bewegen: «Lauf mit dem Laubbläser durch die Gegend, aber mach die Geräusche selber», oder «Klingle mal wieder beim Nachbarn und frag ihn: chunsch use go spiele?». Denn für all diese Dinge, so Hügi, muss man vom Handy aufschauen. Aufmerksames Publikum Nicht aufs Handy geschaut haben die Besuchenden der Bibliothek Dietlikon am vergangenen Mittwochabend. «Ist es nicht schön, dass ihr mir jetzt in die Augen schaut – ohne Werbung und Filter?», will Hügi wissen und beisst genüsslich in einen Pritt-Leimstift. In einen Leimstift? Ja, sie haben richtig gelesen. Aber keine Sorge: Der Leimstift war mit Marzipan gefüllt – und das Publikum erfolgreich hinters Licht geführt. Wie es der Slam Poetin denn gefallen habe in Dietlikon? «Das Publikum war toll und so aufmerksam. Manchmal überraschte es mich selbst, wenn zu früh gelacht wurde», erzählt sie. Auch das Ambiente im hellen Raum sei toll gewesen: «Wenn ich die Gesichter im Publikum auch tatsächlich sehe, kann ich viel einfacher eine Verbindung zu den Leuten aufbauen.» Apropos Aufbauen: Was sie denn zum Poetry slammen bewogen hat? «Ich will nicht Vollzeit erwachsen sein», sagt Hügi. «Mit der Kunst habe ich mich dagegen gewehrt – sehr erfolgreich.»

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