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2019_01-02

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4 Dorfspiegel Dietlikon

4 Dorfspiegel Dietlikon / Wangen-Brüttisellen Rückblick auf ein ereignisreiches Jahr Ein Jahr, das viele Herausforderungen und unvergesslic Wasserknappheit, die Entwicklung auf dem Flugplatz Dübendorf, Bauvorhaben und kulturelle Höhepunkte sind nur vier der Themen, welche die Kuriergemeinden im vergangenen Jahr beschäftigten. Im grossen Neujahrsinterview blicken Marlis Dürst, Gemeindepräsidentin von Wangen-Brüttisellen, und Edith Zuber, Gemeindepräsidentin von Dietlikon, zurück. Gleichzeitig wagen die beiden 59-Jährigen einen Blick nach vorne. Interview: Leo Niessner Kurier: Was war 2018 für ein Jahr? Marlis Dürst (MD): Ein gutes und intensives mit vielen Veränderungen. Wir hatten Wahlen und haben im Gemeinderat neue Kollegen erhalten. Zudem liefen viele Projekte. Edith Zuber (EZ): Aus politischer Sicht war es speziell, weil eine vierjährige Amtszeit zu Ende ging und gleichzeitig eine neue begonnen hat. Wir konnten alle Behördenämter gut besetzen. Konnten Sie letztes Jahr die Festtage auch geniessen, trotz der bevorstehenden Wahlen? EZ: Grundsätzlich habe ich die Zeit als ruhig in Erinnerung, denn wir hatten keine Kampfwahlen im Gemeinderat. Etwas angespannt war ich dennoch. MD: Auch ich musste keine Kampfwahl bestehen, daher spüre ich keinen grossen Unterschied zu diesem Jahr. Frau Dürst, Sie waren dieses Jahr mit Doris Leuthard an einem Podium. Wie haben Sie die – mittlerweile abgetretene – Bundesrätin erlebt? MD: Sehr kompetent! Man merkt, dass sie seit Jahren in der Politik tätig ist. Doris Leuthard hat mich immer beeindruckt. Sie hat eine tolle Ausstrahlung. Was sagen Sie zum Rücktritt? MD: Einerseits ist es schade, andererseits verstehe ich sie, nach so vielen Jahren in der Politik. Ich habe gehofft, dass wieder Frauen nachrutschen, was ja geklappt hat. In einem Zeitungsinterview, das Sie im Zusammenhang mit dem Podium gegeben haben, erzählen Sie von der Nervosität, die Sie früher verspürten, wenn Sie vor Leuten sprechen mussten. Sind Sie heute vor Gemeindeversammlungen noch immer aufgeregt? MD: Man sagt, dass man es mir nicht ansieht, aber ich gehe auch heute mit einer gewissen Anspannung an die Gemeindeversammlungen. Vor allem, w e n n d a s Geschäft aus einem anderen Ressort kommt, das ich nicht aus dem Effeff kenne und es auch für die Bevölkerung schwierig zu verstehen ist. Da ist besonders sorgfältige Vorbereitung angesagt. Dieses Jahr haben wir uns zweimal mit Teilrevisionen der Bau- und Zonenordnung befasst, einmal im Zusammenhang mit dem neuen Hochhausgebiet. Die Herausforderung an einer solchen Versammlung ist, die Bevölkerung verständlich zu informieren und die Abläufe korrekt zu befolgen. Zusammen mit dem Gemeindeschreiber bereite ich mich gut auf die Geschäfte und Abläufe der Gemeindeversammlung vor. Wenn diese begonnen hat, bin ich konzentriert und nicht mehr nervös. EZ: Eine gesunde Anspannung braucht man, um eine gute Leistung zu erbringen. Nur an meiner ersten Gemeindeversammlung vor vier Jahren war ich schon etwas nervös. Es war die happigste, die man als Gemeindepräsidentin haben kann – die Totalrevision einer Bau- und Zonenordnung, mit vielen Anträgen. Doch ich war vor Amtsantritt Bauvorsteherin gewesen und kannte die Materie gut. Zum Glück lief alles gut. Prominenten Besuch gab es in diesem Jahr in der Region auch in kultureller Hinsicht. Was verbindet Sie mit Kinderbuchautorin Frederica de Cesco, die in der Bibliothek Dietlikon gelesen hat? EZ: Als ich noch in der Sek war, hielt sie bereits eine Lesung bei uns. Damals dachte ich schon, sie sei einiges älter als ich. Ich finde es daher erstaunlich, dass sie mit 80 Jahren noch Lesungen macht. Leider konnte ich nicht dabei sein. MD: Ich habe in meiner Jugendzeit sehr viele Bücher von ihr gelesen. Aber live habe ich sie noch nie erlebt. Wenn wir schon beim Thema sind – welche Art von Kultur mögen Sie? MD: Fast alles in Zusammenhang mit Musik gefällt mir sehr. Leider habe ich meist nur Zeit, um nebenbei Musik zu hören. Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich zuerst tanzen, dann singen und schliesslich selber musizieren, in dieser Reihenfolge. Ich mag auch Musicals, denn dort gibt es Musik, Gesang und Bewegung und ich lese auch sehr gern. Kultur ist eben ein breiter Bereich. EZ: Ich habe gerne Opern und gehe mit meinem Mann auch gerne zu Konzerten in die Tonhalle oder in die Kirche. Ich bin ein grosser Orgelmusik-Fan. Neben dem tollen Organisten der katholischen Kirche, Christoph Küderli, haben wir zurzeit einen fantastischen Organisten in der ref. Kirche Dietlikon, «Ich verstehe, dass Leute davor Angst haben, dass die Gemeinde zu anonym wird.» Marlis Dürst Alexander Paine, einen Australier. Ausserdem besuche ich möglichst jede Vorstellung des Kulturtreffs Dietlikon, da ich Kleinkunst mag. Es ist immer spannend, was da jeweils dargeboten wird, von einer Band, über ein Schauspielduo, bis hin zu einer Lesung. Ich lasse mich jeweils gerne überraschen. MD: Ja, die Kleinkunst liegt mir auch am Herzen. Ich besuche fast alle Veranstaltungen des Kultur- Kreises, auch wenn ich etwas nicht kenne. Ich bin noch nie enttäuscht worden. Auch die bereits zweimal durchgeführten Tage der offenen Künstlertüren finde ich eine tolle Idee. Sie zeigen das vielfältige Wirken unserer einheimischen Künstlerinnen und Künstler. Nicht alles war aber so angenehm wie die kulturellen Veranstaltungen. Weniger erfreulich aus Sicht der Gemeinde Wangen-Brüttisellen dürfte die Entwicklung auf dem Flugplatz Dübendorf sein. Der Bund möchte nach wie vor ein Teil der Geschäftsfliegerei von Kloten nach Dübendorf verlagern und der Regierungsrat hat kürzlich entschieden, dass die verkürzte Piste wieder in den kantonalen Richtplan aufgenommen wird. Ihre Gemeinde hatte sich aber für einen historischen Flugplatz mit Werkflügen ausgesprochen, 76 Prozent der Bevölkerung standen hinter der Vorlage. Fühlen Sie

Kurier Nr. 1 / 2 10.1.2019 Dorfspiegel Dietlikon / Wangen-Brüttisellen 5 he Momente mit sich brachte sich vom Bund und Kanton nicht ernst genommen? MD: Wir fühlen uns tatsächlich oft nicht ernst genommen und werden uns weiterhin mit allen Mitteln gegen die Pläne des Bundes wehren. Etwas anderes ist der Entscheid des Regierungsrats, die verkürzte Piste wieder in den kantonalen Richtplan aufzunehmen. Für unser Konzept braucht es auch eine Piste. Die Verkürzung der Piste, die angedacht ist, wäre auch unserem Konzept daher durchaus zuträglich. Insofern haben wir von der Idee Abschied genommen, dass es auf dem Flugplatz Dübendorf einen Park gibt. Die Ankündigung des Regierungsrates überrascht mich nicht. Das würde für das Konzept des Bundes sprechen. MD: Nicht nur. Wie gesagt, braucht auch das Konzept «Historischer Flugplatz mit Werkflügen» der Anrainergemeinden eine Piste. Das vom Bund favorisierte Projekt akzeptieren wir nicht. Wir wollen keine Ausweitung der Flugzeiten in den Randstunden und am Wochenende und nur eine geringe und kontrollierte Zunahme der Flugbewegungen. Als nächstes steht in diesem Zusammenhang Mitte Januar 2019 das Anhörungs- und Mitwirkungsverfahren zum Objektblatt für den Flugplatz Dübendorf an, bei welchem die Gemeinden aber auch die Bevölkerung die Gelegenheit hat, eine Stellungnahme einzureichen. Rechtliche Schritte können zurzeit noch keine ergriffen werden. Die Pläne am Flughafen Dübendorf betreffen Wangen-Brüttisellen direkt. Verfolgen Sie die Entwicklungen von Dietlikon aus ebenfalls? EZ: Selbstverständlich. Ich ärgere mich, dass der Bund keine intensiveren Nachverhandlungen mit Deutschland führt. Dass man einfach den ganzen Flugverkehr möglichst nach Süden starten lassen will und zwischen 10 und 14 Uhr die Südabflüge propagiert, passt nicht mit dem künftigen Konzept Flugplatz Dübendorf zusammen. Das kommt sich in die Quere. Die Politiker der anderen Himmelsrichtungen vergessen, dass wir in Zukunft mit dem Flugplatz Dübendorf leben müssen und dass von dort auch Flugbewegungen weggehen. Das betone ich jeweils in Verhandlungen mit anderen Gemeinden. Dann zeigen sie auch Verständnis für unsere Position. Vor kurzem stattete das Fernsehen «SRF» den ersten Firmen des Innovationsparks am Flugplatz Dübendorf einen Besuch ab. Wie laufen die Verhandlungen zwischen Gemeinde und Innovationspark? MD: Zwischen Gemeinde und Innovationspark laufen keine Verhandlungen. Bei der Erarbeitung des Konzepts wurden die Anrainergemeinden vom Kanton mit einbezogen. Heute hat nur die Stadt Dübendorf einen Platz im Stiftungsrat. Daher werden wir sporadisch informiert. Das Ganze ist im Aufbau, bisher werden erst ein paar Hangars von der Stiftung Innovationspark genutzt. Noch offen ist der Erschliessungsvertrag, bei dem die Gemeinde beteiligt ist. Am 24. April berichtete der Kurier über die Landesausstellung, die auf dem Flugplatz Dübendorf geplant ist. Seither ist es ruhig geworden um den Verein X-27.ch, der sie ausrichten will. Was geschieht da momentan? EZ: Wir haben den Präsidenten als Referent im Juni an unseren Businesslunch eingeladen. Die Vertreter von X-27.ch müssen abwarten, denn das Ganze muss ja zuerst genehmigt werden. Sie sind in Konkurrenz mit zwei anderen Konzepten. 2019 wird der Bund entscheiden, welches ausgeführt wird. «Momentan sind die finanziellen Aussichten für Dietlikon gut. Das ist beruhigend.» Edith Zuber MD: Wie Dietlikon unterstützt der Gemeinderat Wangen-Brüttisellen die Absicht, die nächste Landesausstellung auf dem Flugplatz Dübendorf zu realisieren. Ein Thema, das in Wangen-Brüttisellen an der Gemeindeversammlung im Herbst thematisiert wurde, ist das Brüttiseller Tor. Es gab unter anderem zu reden, weil Bürger Angst vor zusätzlicher Feinstaubbelastung und Mehrverkehr hatten. Eine berechtigte Befürchtung? MD: Man kann nicht verleugnen, dass mehr Menschen, die in einem verdichteten Gebiet wohnen, auch mehr Emissionen verursachen. Mit einer gute ÖV-Anbindung oder beschränkten Parkplätzen kann dem entgegengewirkt werden. Es gibt dazu genaue Vorgaben des Kantons, die wir einhalten werden. Dass der Gestaltungsplan für das Projekt angenommen wurde, hat mich sehr gefreut. Was wäre bei einem Nein gewesen? MD: Dann hätte der Gemeinderat grundsätzlich über die Bücher gehen müssen. Aber ich bin überzeugt, dass der Entscheid für unsere Gemeinde richtig ist. Das Flamingoareal ist einer der besten Orte, den wir für verdichtetes Bauen und ein Hochhausprojekt bieten können. Aber ich verstehe, dass Leute davor Angst haben, dass die Gemeinde zu anonym wird und zu einer Stadt wächst. Vor allem für langjährige Einwohnerinnen und Einwohner von Brüttisellen ist das ein Thema, denn sie trauern dem Bauerndorf nach, das sie in Erinnerung haben. Die Jungen hingegen haben mit dieser Entwicklung weniger Probleme. (Foto lni)

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