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2019_01-02

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2 Dorfspiegel Dietlikon

2 Dorfspiegel Dietlikon / Wangen-Brüttisellen Kurier Nr. 1 / 2 10.1.2019 Claude und Thomas Juon kennen ihre Gäste alle beim Vornamen. (Foto la) Es ist 21 Uhr an einem gewöhnlichen Mittwochabend. Im Kerzenlicht und umgeben von Musik sind die Gäste des Restaurants Flamingo in Brüttisellen in tiefe Gespräche verwickelt. Die Atmosphäre ist ausgelassen, das Wirtepaar kennt alle seine Gäste beim Namen. Das beste Tartar? Gibt es im Flamingo. Die Brüder Claude (54) und Thomas (56) Juon führen das Restaurant Flamingo in Brüttisellen seit 25 Jahren gemeinsam. Heute schauen sie auf einzigartige Events und unzählige schöne Momente – aber auch auf einige Hürden – zurück. Der «Tote Vogel» «Die Lokalität haben wir durch Zufall gefunden», sagt Claude Juon. Nach einem Tankstopp hat sich der damalige Reiseleiter dazu entschieden, auf einen Kaffee im Flamingo einzukehren. «Ich habe mich sofort verliebt in das coole Lokal», schwärmt er. Praktisch, dass der damalige Wirt gerade aufhören wollte und die Juons kurzerhand einziehen konnten. «Kurz nach Eröffnung ist jedoch eine grosse Baustelle gekommen», erzählt der gelernte Tourismus-Fachmann Claude Juon. «Dadurch sind die Gäste ausgeblieben. Das hat uns fast das Genick gebrochen.» Glücklicherweise haben die Gebrüder Juon zu diesem Zeitpunkt noch ein weiteres Restaurant in Volketswil betrieben, so dass sie sich quersubventionieren konnten. «In dieser Zeit haben wir von den Einheimischen den Spitznamen ‹Toter Vogel› erhalten», erzählt Claude Juon. Mit dem Verschwinden der Baustelle ist es plötzlich wie am Schnürchen gelaufen. Deshalb haben sich Claude und Thomas Juon dazu entschieden, alles auf eine Karte zu setzen: «Mit zwei Lokalen und einem Sandwich- Dienst fiel einen Haufen Arbeit an. Wir haben uns dann gesagt, dass wir lieber nur eine Sache machen – diese dafür aber richtig gut», erzählt Claude Juon. «Vision Hard Rock Cafe» Wie gut die beiden Brüder ihre Sache gemacht haben, zeigt die 25-jährige Erfolgsgeschichte. «Ich war als Reiseleiter überall auf der Welt unterwegs», erzählt Claude Juon. Auch sein Bruder, Thomas Juon, ist als Koch in renommierten Häusern in Zürich, Genf und San Francisco rumgekommen. «Meine Vision war immer das Hard Rock Cafe», erzählt Claude Juon. Live Bands, Fondue Zelt, Comedy Nights, Openair Kino und eine Beach Party mit echtem Sand und Pool – was heute fast jeder anbiete, war früher eine Spezialität des Flamingos. «Im Bereich der Erlebnis-Gastronomie waren wir lange die Pioniere hier in der Region», so Claude Juon. «Wir waren sorglos, innovativ und ein gutes Team. Das war das Rezept für unseren Erfolg», so Claude Juon. Familienbande Wie es denn sei, mit dem eigenen Bruder zusammenzuarbeiten? «Es ist ein Privileg», antwortet Claude Juon. «Mein Bruder ist zugleich mein bester Freund. Für mich gibt es nichts schöneres, als mit ihm ein Geschäft gemeinsam zu führen.» Dabei ergänzen sich die beiden bestens: Während Claude Juon sich im Restaurant um das Wohl der Gäste kümmert und die treibende Kraft in Sachen Innovationen ist, bringt Thomas Juon mit seinem kulinarischen Können und Gelassenheit Ruhe ins Restaurant. «Wir geraten schon auch manchmal aneinander», erzählt der ältere der beiden Brüder, Thomas Juon. Das sei aber völlig normal: «Wie in einer gesunden Ehe» ergänzt er lachend. Apropos Ehe: «In unserem Restaurant haben sich so viele Paare kennengelernt», erzählt Claude Juon. Auch das Hochzeitsfest von Thomas Juon habe im Flamingo stattgefunden. «Das war einer der schönsten Tage hier», schwärmt der leidenschaftliche Koch, welcher sein Handwerk im Dolder Grand erlernt hat. «Wir könnten hier auch Gault Millau servieren. Aber wir sind selber ganz einfache und lässige Kerle – und so ist auch unsere Küche» sagt Thomas Juon. «Kulinarisch gesehen, war unser zehn-Jahr-Jubiläum das Highlight für mich. Für unsere Gäste stellte ich ein Zehn-Gänge Menü zusammen. Das war ein voller Erfolg», erzählt er weiter. Das Aussterben des Stammtisches Einen Betrieb so lange am Leben zu halten, sei keine einfache Aufgabe. Gerade im Gastronomiebereich habe sich in den letzten Jahren vieles verändert. «Früher hat man sich noch am Stammtisch getroffen, hat sich ausgetauscht, über die News im Blick diskutiert und die nächste Tennisrunde abgemacht», erzählt Claude Juon. «Heute hat man dafür ein Telefon.» Zudem haben sich die Ess- und Ausgehgewohnheiten der Restaurantbesucher verändert. «Gerade zur Mittagszeit haben wir viel weniger Stammgäste», erzählt der Beizer. Hinzu kommen die zunehmenden Aufwände in Sachen Hygiene- und Lebensmittelkontrollen. «Als Gastronom muss man heute viel mehr sein als Wirt oder Koch», sagt Claude Juon. «Die ganzen Bestimmungen und Kontrollen machen das Beizen komplizierter, als es früher noch war.» Nichtsdestotrotz müsse man sich anpassen, den Trends folgen, innovativ sein. «Nur so kann man als Gastronom überleben. Wir haben das Glück, dass wir nun schon seit 25 Jahren hier sind und eine sehr treue Kundschaft haben», sagt Claude Juon. «Nein, falsch. Wir haben einfach die besten Gäste.» Der Flamingo weitet seine Flügel Mit dem «Brüttiseller Tor» naht auch das Ende vom Flamingo. «Doch wir wollen noch nicht aufhören», meint Thomas Juon. Wohin der Flamingo zieht, ist heute noch nicht klar. «Wir werden sicher das Rad nicht neu erfinden», so der Koch. «Etwas kleines und Feines finden und weiterhin das tun, was wir am besten können», lauten die Zukunftspläne. «Und bis dahin freuen wir uns darüber, wenn uns die Einheimischen mal noch besuchen», schmunzelt Claude Juon. Denn: Das hauseigene Thai Curry wird selbst von Thais gelobt und die Haussalat-Sauce wird von vielen als die beste Salatsauce prämiert. • Warmduscher • Vorwärts-Parkierer • Angsthasen An alle die sich noch nie ins Restaurant Flamingo getraut haben… Seid mutig und besucht uns Wir sind freundlich und fein www.restaurant-flamingo.ch Tel. 044 833 28 48

Kurier Nr. 1 / 2 10.1.2019 Dorfspiegel Dietlikon 3 Jubiläumsprogramm «Back to the Future» Erhabener Gospel-Gesang, der aus den Tiefen der Seele kommt Der Gospelchor Dübendorf feierte am 18. November 2018 mit einem hinreissenden Konzert sein 30-jähriges Bestehen. Eintauchen in die Welt von Spirituals und Gospelmusik: Gospelchor Dübendorf. (Foto sts) Interview: Stefan Sutter Wer zum ersten Mal ein Konzert des Gospelchors Dübendorf miterlebte, staunte nicht schlecht: rund 400 Konzertbesucher füllten das nüchtern gestaltete Kirchenschiff der reformierten Kirche im Wil in Dübendorf bis auf den letzten Bank und Klappstuhl. Mit seinem Jubiläumsprogramm «Back to the Future» gelang es dem Chor, unter der musikalischen Leitung von Ueli Vollenweider, sein Publikum zu begeistern. Die in rot gekleideten Chorsängerinnen und Sänger vermochten mit ihrem bewegenden Gesang, zusammen mit dem bunt gemischten Publikum, gut verteilt auf alle Altersklassen, die kühle Architektur rasch mit Wärme, Farbe und guter Stimmung zu füllen. Das Repertoire umfasste eingängige wie musikalische anspruchsvolle Titel von Gospel über Jazz, Blues, Hymnen und Folk Songs. Stilsicher und stimmungsvoll begleitet wurde der Chor durch professionelle Musiker an Piano, Schlagzeug und Saxophon. Gegründet wurde der Chor, mit heute über 50 Stimmen, 1988 von Ernst Saxer, der am Konzert anwesend war. Der damalige reformierte und musikbegeisterte Pfarrer von Dübendorf unterstreicht «Der Gospel bringt Musik und Message, die mir wichtig bleibt, in Einklang. Ich wünsche dem Chor, dass es ihm auch in Zukunft so gut wie heute gelingt, sich stetig weiter zu entwickeln und zu erneuern.» Kurier: Herr Vollenweider: Das Jubiläumskonzert des Gospelchors Dübendorf steht unter dem Motto «Back to the Future». Welche Botschaft will der Chor mit seinem Engagement weitergeben? Ueli Vollenweider: 2018 feierte der Chor sein 30jähriges Bestehen. Den Titel ««Back to the Future» wählten wir wegen der Zusammenstellung der dargebotenen Songs und Hits aus den vergangenen drei Jahrzehnten, gemischt mit neuen Liedern, die man auch in Zukunft hören wird. Wann? Wir werden in Dietlikon am 20. Januar dasselbe Programm singen. Viele Titel enthalten auch Friedensbotschaften und diese scheinen mir nötiger denn je. Nach dem Ende des kalten Kriegs erschien uns die Welt viel friedlicher, was man heute nicht mehr behaupten kann. «Back to the Future» könnte man dahingehend verstehen, dass man sich in Zukunft wieder auf friedlichere Werte besinnen sollte. Begeisterung und Ausgelassenheit einerseits – Disziplin und Präzision andererseits. So habe ich den Chor und Ihre Arbeit wahrgenommen. Wie bringen Sie diese Pole zusammen? Dahinter stehen lange und ausdauernde Probenarbeit und Trainings jedes Mitglieds zuhause und die jahrelange Erfahrung. Die Chormitglieder haben diese Lust an Disziplin und Präzision selbst entwickelt, vielleicht unter meiner anregenden Leitung, die ich mit Motivation und Forderung von Einsatz mixe. Da ich Musizieren ohne Gemütsregung und ohne Begeisterung einen verlorenen Einsatz finde, sind mir diese Prädikate wichtig und so versuche ich, die Mitwirkenden damit anzustecken. Es freut mich, dass man dem Chor das anmerkt und er es auszustrahlen in der Lage ist. Ausserdem wird und wurde der Verein auch stets von einem sehr engagierten Vorstand und einer kreativen Musikkommission mitgeführt. Von Händel bis Ray Charles – Sie sind ein vielseitig engagierter Musiker und Dirigent – was reizt Sie am Gospel? Ich bin immer wieder von Neuem fasziniert von der Ausstrahlung dieses Genres der Musik, die Melodien, der packende Rhythmus in Verbindung mit den Texten und das Engagement der Sängerinnen und Sänger. Und das Publikum geht zumeist begeistert mit, vor allem in den USA, dem Ursprungsland von Spirituals und Gospelmusik, wo eine Kirchgemeinde oder ein Publikum völlig aus dem Häuschen geraten kann. Das erlebte ich bei etlichen Reisen über den Atlantik auf den Spuren dieses Stils. Kürzlich war in der NZZ von der Schwierigkeit zahlreicher Chöre ihren Betrieb zu finanzieren die Rede. Private und institutionelle Sponsoren ziehen sich zurück, das Veranstaltungsangebot wächst weiter, neue Chöre werden gegründet. Wie geht es dem Chor und Ihnen dabei? Wir sind in der glücklichen Lage, dass die reformierte Kirchgemeinde Dübendorf-Schwerzenbach einen jährlich wiederkehrenden grosszügigen Beitrag leistet. Im Gegenzug treten wir mindestens vier Mal im Jahr in einem ihrer Gottesdienste auf. Jedes Chormitglied zahlt einen Jahresbeitrag. Ausserdem waren viele unserer bisherigen Auftritte so erfolgreich, dass hin und wieder nach Abzug aller Konzertkosten etwas für die Kasse übrigblieb. Da in der jüngeren Vergangenheit eine ganze Reihe Gospelchöre gegründet wurden, sind wir sehr daran interessiert, unsere Qualität weiterzuentwickeln, um unseren guten Ruf halten zu können. Ueli Vollenweider dirigiert den Gospelchor Dübendorf seit seiner Gründung 1988. Er hat an den Musikhochschulen von Zürich, Winterthur und Luzern Klavier, Schulmusik, Chorleitung und Orchesterleitung studiert. Unter weiteren Engagements dirigiert er den Zürcher Chor procantu-zuerich.ch. Sein erstes Konzert im Jahr 2019 singt der Chor am 20. Januar in der katholischen Kirche St. Michael in Dietlikon. Weitere Informationen unter www. gospelduebendorf.ch. (sts)

Kurier die Wochenzeitung von Dietlikon und Wangen-Brüttisellen