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2018_10

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2 Dorfspiegel Dietlikon

2 Dorfspiegel Dietlikon Öffentliches Podium zum Thema «Digitalisierung in der Schule» Vom Fluch und Segen der digitalen Welt Digitalisierung – Chance oder Risiko? Über dieses Thema diskutierten letzte Woche die Schulpflegekandidaten Oliver Wenczel (SP) und Martin Würgler (SVP) unter der Gesprächsleitung von Gemeinderat Philipp Flach (SP). Dass Christa Taverney als dritte Anwärterin für das Amt nicht eingeladen war, erstaunt sie. Podiumsteilnehmer (v.l.): Martin Würgler, Philipp Flach, Oliver Wenczel. (Foto yz) Yvonne Zwygart Die Digitalisierung schreitet voran und ist nicht mehr aufzuhalten. Damit müssen wir leben, sie für uns nutzen und dabei aufpassen, dass das Digitale nicht uns benutzt. Vor diesem Hintergrund begrüsste Robert Amsler in seiner Eigenschaft als Co-Präsident der SP im Theoriesaal des Feuerwehrgebäudes alle, die den Weg zum Podium gefunden hatten. Die Kandidierenden für die Schulpflege stellten sich kurz vor und es wurde klar, dass sie auch beruflich mit der Schule zu tun haben oder hatten, was sie in ihrem Tun bestätigt. Flach legte eingangs eine Folie auf den Beamer, die zeigte, auf welchen und wie vielen Internetplattformen sich die Jugend heute bewegt. Wer kein Internet oder Handy mit einigen Anwendungen (Applications oder kurz Apps) darauf hat, ist aussen vor und wird zum Aussenseiter. 80 Prozent der Sek-Schüler besitzen ein Smartphone Gemäss dieser Informationen besitzen heutzutage bereits 25 Prozent der Sechs- bis Siebenjährigen ein internetfähiges Smartphone. Bei den 12 – 13-jährigen sind es schon 80 Prozent, mit steigender Tendenz. Nach seinen Auffassungen zum Thema gefragt, gab Wenczel zur Antwort, dass er die «Digitalisierung in der Schule» eher als digitale Transformation verstehen würde. Was früher «face to face» war, läuft heute übers Smartphone, beispielsweise über die sehr verbreitete und beliebte Anwendung «WhatsApp». Man kann damit auch Bilder versenden, wovon sehr gerne Gebrauch gemacht wird. Würgler hingegen versteht nicht, wie man miteinander am Tisch sitzen kann, jeder ein Gerät in der Hand haltend, auf welches er permanent starrt? Zu seinen Zeiten war der Stand der Technik so, dass man das Telex kannte oder zur Vervielfältigung von Dokumenten in der Schule Wachsmatrizen genutzt hat. Wer ein Faxgerät hatte, war modern. Was die Wirtschaft gemäss economiesuisse neben den schulischen Kompetenzen sucht, sind Menschen mit Selbstdisziplin, Motivation, Kreativität, kritischem Denken, Urteilsvermögen, Durchhaltewillen und Teamfähigkeit. Denn Sozialkompetenz hat ein Computer nicht. Da stellt sich die Frage, wie wir diesen in allen Bereichen kompetenten und damit menschlich und schulisch perfekten Menschen hinbekommen? Was nimmt man wirklich mit fürs Leben? Wenczel, der beruflich mit Jugendlichen zu tun hat, die bereits eine Lehre und einige Jahre Berufserfahrung haben und nun wieder bei ihm als Ausbildner die Schulbank drücken, sagt, dass er versuche, den jungen Menschen zwei Ziele ihrer Ausbildung mitzugeben. Sie sollten zum einen für die LAP Wissen akquirieren, um dieses zum Prüfungsdatum präsent und abrufbereit zu haben und darüber hinaus auch etwas für das praktische Leben mitnehmen. Ein Blick auf den Lehrplan 21 Der Lehrplan 21, derzeit heiss diskutiert und in aller Munde, verlangt von den Schülern in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) Folgendes: Die Schüler müssen Medien interaktiv nutzen, entschlüsseln, reflektieren und umsetzen können. Sie sollen Daten aus ihrer Umwelt darstellen, strukturieren und auswerten können. Dazu nutzt die Schule bereits die Programme Word, Excel und Powerpoint. Die Schule Dietlikon ist hier ihrer Zeit voraus und damit sehr gut aufgestellt. Ab dem Schuljahr 2018/19 wird in der fünften Klasse dieser Unterricht mit einer Schulstunde pro Woche eingeführt werden (weitere Informationen zum Lehrplan 21 folgen in einer kommenden Kurier-Ausgabe). Würgler erachtet es als am wichtigsten, dass die Schüler heute Problemstellungen analysieren, mögliche Lösungsverfahren beschreiben und in Programmen umsetzen können – also man will möglichst technikaffine junge Leute. Andere Forderungen sollten seiner Meinung nach im Hintergrund bleiben. Und er betont, dass der Kindergarten völlig frei von technischem Gerät bleiben solle. Die Kinder sollen in den Wald gehen und wissen, wie ein Stein aussieht und was er wiegt – ganz analog. Um den Bogen zum im Dezember 2017 erhaltenen Schweizer Schulpreis zu schliessen, wurde dieser der Schule Dietlikon nicht zuletzt deshalb verliehen, weil sie eben im digitalen Bereich sehr gut aufgestellt ist und die Schüler damit vorbereitet auf die Zukunft sind. Auf die Anschaffungskosten der Macintosh-Geräte wurde im gesamten ein gutes Steuerprozent, konkret etwa 300 000 Franken verwendet. Schülerleistung steigt wieder ohne Handy oder Tablet Flach hielt mit einem kurzen Einschub dagegen, dass die Schulleistungen wieder steigen würden, wenn man den Schülern die Geräte über einen bestimmten Zeitraum wegnähme – also schülereigenes Wissen und ihr Können stehen versus Wissen aus dem Internet. Wobei sich beides ergänzen sollte. Willst du mit uns durchs Feuer gehen? Bist du zuverlässig, fit (atemschutztauglich), robust, teamfähig, handwerklich begabt und grundsätzlich für Einsätze auch tagsüber rasch verfügbar? Bist du bereit, im Schnitt mindestens 2½ Std. alle drei Wochen für Abendübungen einzusetzen? Bist du zwischen 18 und 40 Jahren jung, sprichst und verstehst Deutsch? Springt der Funken, fängst du Feuer für ein brandheisses Hobby für die gesellschaftliche Sicherheit? Dann bist du unser Firefighter! Denk dra, lüt ah: 044 801 83 00 oder 079 757 66 60

Kurier Nr. 10 9.3.2018 Dorfspiegel Dietlikon 3 Früher hatte man eine Enzyklopädie, in der Wissen nachgeschlagen werden konnte – und dieses Wissen war gross, aber doch begrenzt gegenüber dem schier unendlich erscheinenden Internet. Diese Vielfalt an Informationen kann heranwachsende Gehirne überfordern. Bequemlichkeit durch Internet? Flach gab hier das Podium frei und eine erste Frage aus dem Publikum war denn auch die nach dem Bequemwerden der Schüler. Wenn man mit dem Handy alles benötigte Wissen aus dem Internet einfach und ohne grosses eigene Zutun abrufen könne, was lerne man dabei? Dies ist eines der Risiken unserer Zeit. Ebenso als Risiko muss man sehen, dass Server gehackt werden können. Oder dass dem Internetgamen und Handygebrauch so viel Zeit, auch ausserschulisch, geschenkt wird, dass soziale Kompetenzen schlicht verkümmern. Wohin das schlimmstenfalls führt, zu Isolation und irgendwann zu Persönlichkeitsverlust, ist nicht zu verkennen. Das Risiko von Abhängigkeit vom Digitalen als Ersatz für menschliche Beziehungen in unserer zudem schnelllebigen Zeit kann ebenso nicht wegdiskutiert werden. Ein weiteres Risiko sieht Würgler in den negativen Auswirkungen auf Wissen und Lernen: Die gute alte Enzyklopädie wurde auch in der Schule durchs Internet abgelöst. (Foto lni ) die Rechenfähigkeit und die Orthographie. Auch gibt es feinfühlige Heranwachsende, die es nicht lange vor einem Monitor aushalten, ohne Kopfschmerzen zu bekommen. Der ebenfalls anwesende RPK- Kandidat Erich Nufer sieht die digitale Welt als einen Kanal. Sie ist nicht die reale Welt. Es sei eben auch noch Aufgabe des Elternhauses, den Kindern sinnvolle andere Freizeitbeschäftigung zu bieten und die Internetzeit zu beschränken auf ein gesundes Mass. Dies ist ebenfalls eine der Herausforderungen unserer Zeit. Diese Ansicht vertrat Nufer. In jedem Fall verfügt die Schule Dietlikon im Hinblick auf die technische Ausstattung bereits über fast alle nötigen Geräte, allenfalls I- Pads oder Tablets könnten noch dazukommen. Das Schlusswort von Wenczel war: «Probleme kommen nur dann, wenn wir uns nicht vorbereiten.» Nachgefragt «Die Diskussion war zu theoretisch und zeigte nicht die Elternsicht» Obwohl auch sie für die Schulpflege Dietlikon kandidiert, war Christa Taverney nicht zum Podium eingeladen. Das sorgt bei ihr für Erstaunen. Interview: Yvonne Zywgart Frau Taverney, wie kommt es, dass Sie als Kandidatin für die Schulpflege nicht unter den Diskutierenden sind? Christa Taverney: Ich habe keine Einladung als Referentin erhalten, was mich sehr erstaunt hat. Wie ist Ihr Eindruck vom Podium, bei dem Sie als Besucherin anwesend waren? Die Diskussion war für mich etwas theoretisch und eher aus Sicht der Wirtschaft, nicht aus der Sicht der Schule und Eltern geführt. Die konkreten Chancen und Risiken haben mir etwas gefehlt und auch das praktisch Umsetzbare für die Lehrer, Schüler und ihre Eltern. Zu welchen Themen hätte man diskutieren sollen? Das Thema der Veranstaltung war ja «Chancen und Risiken der Digitalisierung». Diese hätte ich mehr betont und ausgelotet. Dazu gehört der Gedanke, dass man durch spezielle Medienprogramme in bestimmten Fächern individualisierter lernen kann. Oder dass man via Internet an eine immense Menge von Informationen kommt, zum Beispiel durch Wikipedia. Diese Riesenmenge hat positive als auch negative Aspekte. Ist die Digitalisierung Ihrer Meinung nach eher Chance oder Risiko? Digitalisierung gehört zu unserem Leben und daher auch zur Schule. Zu jeder Chance kann man vermutlich auch ein Risiko nennen. Digitale Medien und Programme sollen ein Hilfsmittel bleiben. Sie sind ein Teil von vielen Bausteinen eines erfolgreichen Lernprozesses. Entscheidend sind nach wie vor die pädagogischen Kompetenzen und damit verbunden eine gute Beziehung zwischen Schülern und Lehrpersonen. Ohne Beziehung helfen die besten digitalen Mittel nichts. Wo sehen Sie die Chancen der Digitalisierung? Dort, wo Schüler im Anwenden von digitalen Medien, Programmen und Geräten Erfahrungen sammeln können. Diese Erfahrung benötigen unsere Schüler im späteren Berufsleben. Chancen sind sicher der viel einfachere und schnellere Zugang zu Informationen und Wissen, die Möglichkeit zu individualisiertem Lernen, ein einfacherer Austausch über Social Media, Lernprogramme für Schüler mit besonderen Bedürfnissen und vieles mehr. Und wo sind die Risiken? Zum Beispiel in der Ablenkung vom Unterricht durch digitale Geräte, Cybermobbing, zum Beispiel im Klassenchat oder durch whatsapp, der Zugang zu problematischen Inhalten wie Gewalt und Sex, welche die Schüler in ihrer sensiblen pubertären Entwicklungsphase verstören können. Es besteht das Risiko der Reizüberflutung und nicht zuletzt kann das Medienverhalten der Schüler problematisch werden oder gar in Sucht ausarten. Gerade bei den Risiken muss die Schule mit den Eltern ansetzen und mithelfen, einen vernünftigen Umgang mit der Digitalisierung zu finden. Es ist dafür zu sorgen, dass die positiven Aspekte, also die Chancen, überwiegen. www.christa-taverney.ch Leimbacher AG Claridenstrasse 7, 8305 Dietlikon, Telefon 044 833 20 40, www.leimbacherdruck.ch

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