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2 Dorfspiegel Dietlikon

2 Dorfspiegel Dietlikon / Wangen-Brüttisellen Kurier Nr. 12 19.3.2020 Coronakrise in den Kuriergemeinden Eine historische Herausforderung für die Kuriergemeinden Das öffentliche Leben in Wangen-Brüttisellen und Dietlikon steht still. Die Coronakrise stellt alle vor eine grosse Prüfung. In den Gemeinden ist man gewappnet. Leo Niessner Es ist still geworden in den Kuriergemeinden. Wer sich dennoch nach draussen wagt, wie die Spaziergänger am letzten Wochenende, kennt vor allem ein Thema: das Coronavirus und seine Auswirkungen. Egal wo man hinhört, die Gesprächsfetzen ähneln sich: Was kommt nun auf uns zu? Droht der totale Lockdown? Was, wenn man selber krank wird? Und wie werden die Menschen auf die neue Situation reagieren? Die einen mit beängstigender Ignoranz, musste Kurier-Leserin Pia Schmucki aus Brüttisellen letzte Woche erfahren, noch vor den verschärften Massnahmen des Bundes vom letzten Wochenende. Es geschah in der Apotheke Im Freihof an ihrem Wohnort, wo sie etwas abholen wollte. Vor den Regalen habe das Team Absperrbänder gespannt, damit niemand Verpackungen antaste oder selber Waren aus den Gestellen nehme. Gleich beim Eingang stand ein Dosiergerät mit dem grossen, nicht zu übersehenden Hinweis, dass das Desinfizieren der Hände obligatorisch sei. «Das ist vorbildlich! Immerhin ist das eine gut frequentierte Apotheke», lobt Pia Schmucki die Massnahmen. Ein schockierendes Erlebnis Doch was sie dann erleben musste, schockiert sie noch heute, wenn sie daran denkt. Nachdem sie sich die Hände wie geheissen desinfiziert hatte und an der Kasse stand, sei eine Dame in den Laden gekommen. «Ich beobachtete sie aus dem Augenwinkel, während die Apothekerin meine Waren zusammen suchte», erinnert sich die 62-jährige Brüttisellerin. «Ohne die Aufforderung zu befolgen und die Hände zu desinfizieren, blieb sie demonstrativ vor dem Desinfektionsständer stehen und ignorierte diesen.» Pia Schmucki fragte sie in einem ruhigen Ton, weshalb sie sich die Hände nicht desinfiziert habe. Das war der jungen Dame offenbar zuviel. Sie taxierte Pia Schmucki mit bösen Blicken und sagte: «Mischen Sie sich nicht ein! Das geht Sie überhaupt nichts an!» Sie würde den Spender bestimmt nicht anfassen. Pia Schmucki wandte sich dann an die Pharmaassistentin und sagte, es stehe doch ganz klar, dass dies obligatorisch sei. Die Assistentin indes war überfordert und antwortete nur, sie könne niemanden dazu zwingen. Am darauffolgenden Montag ging Pia Schmucki noch einmal in der Apotheke vorbei, um der Leiterin vom unschönen Erlebnis zu erzählen. Die Schulen sind bis auf weiteres geschlossen Seit dem unschönen Erlebnis ist mehr als eine Woche vergangen. Inzwischen hat der Bund die Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus massiv verschärft. Das dürfte der ignoranten jungen Kundin aus der Apotheke wohl auch zu Ohren gekommen sein. Immerhin sind auch in den Kuriergemeinden seit Montag die Schulen zu. Die Schule Dietlikon schreibt zu der Massnahme auf ihrer Webseite: «Ab Montag, 16. März, werden alle Schulen voraussichtlich bis zu den Frühlingsferien geschlossen. Das hat der Bundesrat und die Bildungsdirektion des Kantons Zürich heute entschieden. Diese einschneidende Massnahme hat zum Ziel: – die Ausbreitung des Coronavirus zu verzögern, – Personen mit erhöhtem Krankheitsrisiko zu schützen, – dem Gesundheitssystem zu ermöglichen, die schweren Fälle zu versorgen. Wir bitten Sie, Ihr Kind beziehungsweise Ihre Kinder zuhause zu behalten und ab Montag nicht zur Schule oder in den Kindergarten zu schicken. Unsere Schule wird nur für Notfälle eine Betreuung organisieren und muss darum wissen, welche Kinder an welchen Tagen eine Betreuung benötigen. In diesem Fall informieren Sie jeweils bis spätestens am Vortag, 17.00 Uhr die Klassenlehrperson per E-Mail, dass Sie keine Betreuung organisieren konnten. Die Kontakte finden Sie auf der Homepage (Dorf, Fadacher, Hüenerweid). Bitte beachten Sie, dass der Mittagstisch geschlossen ist. Die Verpflegung ist Sache der Eltern. Die Kinder können im Schulhaus ihr mitgebrachtes Essen essen.» Auch in Wangen-Brüttisellen hat man reagiert. Die Schule Steiacher Brüttisellen beispielsweise schreibt: «Unsere Schule ist bis mindestens 10. April geschlossen. Die Kinder werden von ihrer Lehrperson Lern- und Übungsmaterial erhalten.» Die Gemeinden spüren die Auswirkungen Auch in den Gemeindehäusern gibt es in diesen Tagen viel zu diskutieren und organisieren. Die Auswirkungen der Coronakrise sind unter anderem in Dietlikon spürbar, wie Gemeindeschreiber Martin Keller und Gemeindepräsidentin Edith Zuber sagen: «Wir haben deutlich weniger Kundschaft und zahlreiche Anlässe wurden abgesagt und zum Teil müssen Säle für andere Nutzungen geschlossen werden, weil sie dringend für Anderes benötigt werden.» Zudem ist der Schulunterricht seit heute Montag in den Schulanlagen für Wochen abgesagt. Verschiedene Organisationen und Institutionen haben ebenfalls auf das Virus reagiert und entsprechende Massnahmen getroffen.» Bei der reformierten Kirche beispielsweise gebe es unter anderem Einschränkungen bei den Abdankungen. Auch die Gemeinde Wangen-Brüttiellen ist gefordert, als öffentlicher Dienstleistungsbetrieb vor allem in Bezug auf die Aufrechterhaltung der Dienstleistungserbringung gegenüber der Öffentlichkeit. Weiter schreibt sie: «Ziel ist es, dass der Gemeindebetrieb während der Coronakrise die wichtigsten Dienstleistungen möglichst reibungslos erbringen kann. Durch das rechtzeitige Ergreifen verschiedener Massnahmen sorgt die Gemeindeleitung dafür, dass diese aufrechterhalten werden können.» Erhöhte Vorsicht in den Gemeindehäusern Vorsichtsmassnahmen wurden in den Gemeindehäusern natürlich ergriffen. Die Gemeinde Dietlikon schreibt: «Wir beachten die Hygienemassnahmen des Bundes. Zusätzlich wurden bei den Schalteranlagen Plexiglas-Scheiben installiert und Desinfektionsmittel bereit gestellt. Die Anzahl Personen an Sitzungen und in den Pausenräumen wird beschränkt und der nötige Abstand von zwei Metern ist In den Gemeindehäusern gibt es in diesen Tagen viel zu diskutieren. einzuhalten. Die teilweise Einführung von Homeoffice wird geprüft. Ebenfalls stehen wir im Kontakt und Austausch mit dem Kanton und anderen Gemeinden.» Ähnlich tönt es aus Wangen-Brüttisellen: «Einerseits halten wir uns an die durch das Bundesamt für Gesundheit und die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich kommunizierten Verhaltensrichtlinien in Bezug auf die persönliche Hygiene. So verzichtet derzeit das Gemeindepersonal im Kundenkontakt auf Hoffnung ist in diesen bewegten Zeiten wichtig: das Händeschütteln und wahrt eine entsprechende Distanz. Weiter wurden aufgrund des erhöhten Infektionsrisikos zudem physische Schutzmassnahmen ergriffen, wie beispielsweise die Vermeidung von Besprechungen oder der Verzicht auf die Durchführung von Gemeindeanlässen wie beispielsweise der Infomarkt für das Alter, die Vereinskonferenz usw.» Am Montagnachmittag beschloss der Bundesrat die «ausserordentliche Lage». Diskutiert wurde schon zuvor die weitere Beschränkung der Mobilität, bis hin zur Quarantäne. Für die Gemeinde Dietlikon war ohnehin klar: «Falls dieser Fall eintritt, werden übergeordnete Organe die Führung übernehmen und Massnahmen einleiten. Die Gemeindepolizei wird sie dabei unterstützen.» Die Gemeinde Wangen-Brüttisellen schreibt bei Redaktionsschluss am Montag hierzu: «Die Auswirkungen einer Beschränkung der Mobilität durch den Bund lassen sich nur schwer abschätzen. Sicher hätte es einen erheblichen Einfluss auf diverse öffentliche Dienstleistungen. Generell müssten gewisse Dienste – sofern eine Weisung des Bundes oder des Kantons Zürich bestünde – eingestellt werden wie

Kurier Nr. 12 19.3.2020 Dorfspiegel Dietlikon / Wangen-Brüttisellen 3 Die Ereignisorganisation ist nun gefordert Die Ereignisorganisation (EO) hält sich bereit und beurteilt die Lage fortlaufend. Eine Sofortmassnahme ist, dass die Zivilschutz-Region Dübendorf in erhöhter Bereitschaft steht. In erster Linie ist die EO darauf vorbereitet, Massnahmen beziehungsweise Aufträge, die seitens der Gesundheits- und Bildungsdirektion des Kantons Zürich an die Gemeinden delegiert werden, umzusetzen. Im Falle von Epidemien und Pandemien sind jeweils die übergeordneten Stellen im Lead. Massnahmen werden somit zwischen dem Bundesamt für Gesundheit, dem Amt für Militär und Zivilschutz sowie mit der Gesundheits- und Bildungsdirektion des Kantons Zürich koordiniert. Die Gemeinden müssen sich an die Massnahmen und Aufträge dieser übergeordneten Stellen halten. Die beiden Plakate, die Kurierleserin Karin Keil in Dietlikon fotografiert hat, spenden sie. ganz aktuell der Schulbetrieb. Die Durchsetzung beziehungsweise Überprüfung der Einhaltung entsprechender Weisungen erfolgt durch die Gemeindebehörden sowie durch die Kantons- und Stadtpolizei. Insbesondere was die Sicherstellung der öffentlichen Ruhe und Ordnung betrifft, ist grundsätzlich die Kantonspolizei im Lead.» Geschütteltes Gewerbe Schwere Zeiten sind für die Gewerbetreibenden angebrochen. Die Angst vor einer Wirtschaftskrise steigt, Umsätze gehen teilweise massiv zurück. Dennoch, entsprechende Stimmen aus der Wirtschaft und Industrie Dietlikons sind bisher nicht bis zur Gemeinde vorgedrungen. Man habe diesbezüglich noch keine Rückmeldungen, nehme aber Kontakt auf mit den Lebensmittelläden und Apotheken. Bei Redaktionsschluss hielt sich die Mehrbelastung in Zusammenhang mit den Sitzungen und Weisungen des BAG für die Kuriergemeinden noch im Rahmen. Man beurteile die Situation täglich und berufe die zuständigen Gremien zu Sitzungen ein, heisst es aus Dietlikon. In der Regel verweise man bei entsprechenden Anfragen auf die geltenden Empfehlungen des Bundes beziehungsweise der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich. Die Gemeinde Wangen-Brüttisellen schreibt hierzu: «Es ist klar, dass die derzeit vorherrschende Ausnahmesituation zu Mehraufwendungen führen. Diverse Stellen wie die Gemeindeverwaltung, Schulen aber auch Behörden sind von den Weisungen und Massnahmen direkt betroffen. Der Geschäftsalltag ist derzeit nicht unerheblich davon geprägt und bedeutet für alle involvierten Stellen und Personen einen gewissen Mehraufwand und grosse Flexibilität. Beinahe täglich ändern die Vorgaben. Dennoch ist es, auch dank einer adäquaten Vorsorgeplanung gelungen, sämtliche Dienste aufrecht zu erhalten bzw. das Tagesgeschäft innert der üblichen Fristen zu bewältigen. Sehr gefordert waren über das Wochenende die Verantwortlichen der Schule, musste der Entscheid des Bundesrates, die Schulen zu schliessen, kurzfristig umgesetzt und entsprechende Massnahmen für die nächsten Wochen definiert werden. Wie steht es um die nächsten Gemeindeversammlungen? Langfristige Planungen sind zum jetzigen Zeitpunkt schwierig, ja fast unmöglich. Denn die Lage ändert sich beinahe täglich. Das betrifft auch die Frage nach der nächsten Gemeindeversammlung in Dietlikon im Frühsommer. Über das Verschieben von Gemeindeversammlungen auf unbestimmte Zeit wird der Gemeinderat Richtlinien erlassen. «Im Moment ist die Juni- GV noch sehr weit weg. Uns beschäftigen aktuellere Themen. Zudem findet die Juni-GV bei schönem Wetter ja bekanntlich auf dem Dorfplatz statt.» Der Schutz der Bevölkerung beziehungsweise der betroffenen Risikogruppen habe hier Vorrang. Die Lage werde laufend beobachtet und die entsprechenden Entscheide zeitgerecht gefällt. Gedanken über die nächste Gemeindeversammlung macht man sich auch in Wangen-Brüttisellen. Was tun, wenn das Virus Veranstaltungen bis in den Sommer verunmöglicht? «In diesem Fall bleibt zu überlegen, ob die besagte Gemeindeversammlung verschoben wird. Bereits heute mussten einige Gemeinden des Kantons Zürich Gemeindeversammlungen aufgrund des Coronavirus verschieben», schreibt die Gemeinde. Tagesaktuelle Veränderungen betreffend des Gemeindebetriebs in Wangen-Brüttisellen werden auf www.wangen-bruettisellen.ch aufgeschaltet und in den Anschlagkästen in Wangen und in Brüttisellen ausgehängt. Weitere Infos der Gemeinde Dietlikon Zur Info der Dietliker Bevölkerung ist ein Merkblatt in Vorbereitung, das in alle Hauhaltungen versendet wird. Darauf wird es Angaben über eine neu eingerichtete Hotline für Fragen unsere Gemeinde betreffend geben sowie Infos über einen neu eingerichteten Helferpool, wo sich Freiwillige und Hilfesuchende melden können. Die aus Eigeninitiative aus der Bevölkerung entstandenen Helfergruppen begrüssen und verdanken wir sehr herzlich und bitten Vertreter dieser Gruppen, sich bereits jetzt bei der Gemeinde zu melden unter: gemeinde@dietlikon.org. Bis die Virologen einen geeigneten Impfstoff gefunden haben, heisst es durchhalten. (Foto CDC on Unsplash)

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