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2 Dorfspiegel Dietlikon

2 Dorfspiegel Dietlikon / Wangen-Brüttisellen Kurier Nr. 48 30.11.2018 Auch die Herkunft sei entscheidend, vermutet Schreiber. Sie selbst stamme aus München und möge ihre Müllsäcke wie Weisswürste – prall gefüllt. Die Brötchenfrage Die deutsche Herkunft Schreibers ist für Schneider eine Steilvorlage für Vergleiche zwischen Schweizern und Deutschen. «Betrete ich eine Bäckerei, mache ich zuerst etwas Smalltalk mit der Verkäuferin, lasse mich beraten und bitte sie dann darum, mir das favorisierte Brot aus dem Regal zu nehmen. Anders Schreiber: Sie geht an den Tresen, zeigt auf einen Artikel und sagt: «Ich krieg dieses Brot», illustriert er die manchmal etwas forsch wirkende Art der Deutschen. Das lässt Schreiber nicht auf sich sitzen: «Ja, und es dauert ja auch gar nicht lange, bis du dein ‹Äxgüsi, ich hätte gerne, wenn es nicht allzu grosse Umstände macht, das Brot hinten links› abgespult hast.» So langsam seien die Schweizer gar nicht, entgegnet Schneider, schliesslich seien in der Schweiz immerhin alle Flughäfen fertig gebaut. Von Kugelwesen und Kompromissen Um die Verschmelzung zweier Ichs zu einem «Wir» in einer Beziehung zu veranschaulichen, kommt Schneider auf den Philosophen Platon zu sprechen. Gemäss Platons Mythos seien die Menschen einst kugelförmige Wesen gewesen, die Zeus in zwei Hälften geteilt hätte. Darunter hätten die Menschen sehr gelitten und seien seither auf der Suche nach ihrer anderen Hälfte. Das inspiriert Schreiber zu einem ehrlichen Vergleich: «Unsere Liebe ist wie eine Discokugel – sie funkelt noch immer, hat aber in all den Jahren auch kleine Risse erhalten, weil im Alltag nicht immer alles glatt läuft.» Damit wird klar: Trotz des Wortwitzes und der schillernden Übertreibungen rollen Schreiber und Schneider im Kern philosophische Fragen auf und thematisieren psychologische Aspekte einer Beziehung. Sie erinnern uns daran, auch mal einen Kompromiss einzugehen und zeigen uns auf, wie man eine glückliche Beziehung führen und dennoch seine Eigenarten und Autonomie behalten kann. Kurzinterview «Unsere Kinder lesen unsere Kolumne nicht» «Reibung erzeugt Wärme», davon sind die Kultkolumnisten Sybil Schreiber und Steven Schneider überzeugt. (Foto ng) Sie schreiben eine wöchentliche Kolumne für die Coopzeitung. Wie darf man sich deren Entstehungsprozess vorstellen? Schneider: Alles, worüber wir schreiben, haben wir wirklich erlebt. Wenn ich bei einem Erlebnis der Meinung bin, es eigne sich für unsere Kolumne, mache ich mir eine Notiz, schreibe später einen Entwurf meiner Sicht der Dinge und sende diesen an Sybil. Blöd ist nur, wenn sie gleicher Meinung ist. Eine gute Geschichte lebt vom Konflikt. Schreiber: Genau, ohne Reibung gehts nicht. Wenn mir Schneider einen Textentwurf schickt, bin ich manchmal überrascht, welche Ereignisse er aufgreift. Ich nehme dann aus meinem Blickwinkel Stellung und spiele den Ball zurück. Wer den Anstoss gibt, variiert, es entwickelt sich jedoch meist ein stimulierendes Pingpong. Wie gehen Ihre Kinder damit um, dass familieninterne Themen öffentlich diskutiert werden? Gibt es daher Themen, die für Sie ein No- Go sind? Schneider: Absolut. Es ist ja nicht so, dass wir jede Facette unseres Privatlebens in der Öffentlichkeit ausbreiten. Wir schreiben beispielsweise nicht über Politik und nur in sehr homöopathischen Dosen über Sexualität. Durch die Reaktionen unseres Publikums haben wir realisiert, dass unsere privaten Erlebnisse gar nicht so privat sind, sondern andere Paare sehr ähnliche Konflikte haben. Das hat auch etwas Beruhigendes. Ob ein Paar erst vier Monate zusammen oder seit 40 Jahren verheiratet ist – die Banalitäten des Alltags sind dieselben. Deshalb identifizieren sich die Leute auch so stark mit dem, worüber wir schreiben. Schreiber: Seit es unsere Kinder gibt, gibt es auch die Kolumne. Unsere Töchter sind damit aufgewachsen und gehen locker mit unserer Bekanntheit um. Sie lesen die Kolumne übrigens nicht mal, dafür aber ihre Schulfreunde (lacht). Sie vertreten in Alltagsfragen oft konträre Meinungen – ist die Gegensätzlichkeit Ihr Erfolgsrezept für eine glückliche Beziehung? Schneider: Nicht die Konflikte und gegensätzlichen Ansichten sind entscheidend, sondern der Umgang damit. So bringt uns die Auseinandersetzung mit dem Standpunkt des anderen immer auch persönlich ein Stück weiter. Schreiber: Einigkeit bei grundsätzlichen Werten ist essentiell. In Alltagsfragen tut jedoch ein bisschen Reibung ganz gut. «Reibung erzeugt Wärme», sagen wir immer und meinen damit die anregende Wirkung der Uneinigkeit. Konflikte machen doch das Leben erst richtig spannend! ELEKTRO BAU RYSER TEL. 044 833 42 43 FAX 044 833 42 41 E-MAIL: elektro-bau-ryser@bluewin.ch 24 Std.-Service ●TELEFON / ISDN ●EDV ●REPARATURSERVICE ●LICHT Haushaltapparat defekt? B BURKHALTER HAUSHALTAPPARATE Kirchstr. 3 8304 Wallisellen Telefon 044 830 22 80 info@bucowa.ch Mit eigenem Kundendienst – schnell, professionell und günstig. In Wallisellen, Wangen-Brüttisellen und Dietlikon ohne Anfahrtskosten!

Kurier Nr. 48 30.11.2018 Dorfspiegel Wangen-Brüttisellen 3 Aline Leutwiler erzählt über ihr Jungunternehmen Wangemer Jungunternehmerin setzt auf Pneu Aline Leutwiler haucht alten Veloschläuchen neues Leben ein. Die bald 17-jährige Wangemerin ist das Gesicht des Jungunternehmens «RundumRund» und weiss: Ein Unternehmen zu führen ist keine leichte Aufgabe. Laura Angst Die Wangemerin Aline Leutwiler verpasst alten Veloschläuchen gemeinsam mit ihrem Jungunternehmen «RundumRund» einen neuen Touch und scheut nicht davor zurück, hierfür auch mal in einen Container zu steigen. «Veloschläuche werden einfach weggeschmissen. Wir bringen diese als Schlüsselanhänger wieder in den Kreislauf», so Aline Leutwiler. «Upcycling» nennt sich die Wiederverwertung von einem scheinbar nutzlosen Produkt in ein neues und höherwertiges Produkt. Doch wie kommt eine Gruppe Jugendlicher dazu, ein eigenes Unternehmen zu gründen? «Das Projekt läuft über die Kantonsschule Zürich Nord und ist für uns Wirtschaftsschüler obligatorisch», erzählt die Gymnasiastin. Dabei gründen die Mittelschüler im Rahmen des Company Programmes der Young Enterprise Switzerland ein eigenes Unternehmen und führen dieses für ein ganzes Jahr von A bis Z selber. Nicht aller Anfang ist schwer Aline Leutwiler, deren Lieblingsfach eigentlich Geschichte ist, weiss: «Ein erfolgreiches Jungunternehmen steht und fällt mit einer guten Gruppe.» Deshalb hat sich das Team von «RundumRund» schon vor dem Projektstart im Sommer zusammengetan. Die Teamarbeit, so die ambitionierte Gymnasiastin, funktioniere wie am Schnürchen, gehören doch alle zu den motiviertesten Wirtschaftsschülern. Auch die Idee eines Schlüsselanhängers hat sich schnell in den Köpfen der Jungunternehmer verankert: «Wir haben bewusst nach einem Produkt gesucht, dass wir recyceln können», erzählt sie. «Nachhaltigkeit liegt mir persönlich sehr am Herzen. Allerdings sind wir alle handwerklich nicht gerade begabt», ergänzt sie schmunzelnd. Deshalb hat sich «RundumRund» dazu entschieden, die Produktion der Schlüsselanhänger auszulagern. Praktisch, dass die Wangemerin das Arbeitsheim kennt. Denn die Idee, die Schlüsselanhänger im Arbeitsheim Wangen produzieren zu lassen, sei von ihr gekommen. «So integrieren wir in unserem Unternehmen auch noch einen sozialen Aspekt und das finde ich besonders toll», erzählt sie. Schneller weg als warme Semmeln Doch auch die beste Geschäftsidee kann ohne die nötigen finanziellen Ressourcen nicht zum Erfolg gebracht werden – und ein Unternehmen zu gründen, ist keine günstige Angelegenheit. Deshalb hat die Schule im Herbst einen Anlass organisiert, an welchem sogenannte Partizipationsscheine gekauft werden konnten. «Für 15 Franken konnte man einen Partizipationsschein kaufen und zum Pseudo- Aktionär werden», so die Jungunternehmerin. «Wenn wir Gewinn machen, gibt es die 15 Franken inklusive Gewinnanteil wieder zurück.» Die Partizipationsscheine von «RundumRund» seien schneller weggegangen als warme Semmeln: «Wir mussten am Ende sogar Leute abweisen», erzählt sie. Der Stolperstein Doch alles läuft auch bei «RundumRund» nicht rund: Um die aus alten Fahrradschläuchen hergestellten Schlüsselanhänger noch individueller zu gestalten, sollte zur Verzierung ein wenig Farbe her. «Wir haben unglaublich viele Farben ausprobiert. Im Endeffekt haben aber alle entweder abgefärbt oder gebröckelt», bedauert Aline Leutwiler. Überzeugt, den Kopf nicht in den Sand zu stecken, haben sie ihr Glück mit Stickereien versucht. Doch auch das habe nicht wie gewünscht funktioniert. «Das war im ersten Moment schon sehr schade», so die Wangemerin. Eine weitere Hürde sieht sie im Einhalten der Deadlines: «Wir haben zwar zwei Lektionen pro Woche Zeit für das Projekt. Der Hauptteil der Arbeit findet aber meist in der Freizeit statt.» Und das sei gerade im strengen fünften Jahr am Gymnasium nicht ganz einfach zu koordinieren. Zeit für ihre Hobbies, das Volleyball- und Theaterspielen, nimmt sich Aline Leutwiler aber trotzdem. Das Gesicht von «RundumRund» Die Wangemerin ist für das Marketing und die Kommunikation von «RundumRund» zuständig: Die Webseite mit Inhalten füllen, Kontakte knüpfen und Texte für die Medien verfassen. «Immer, wenn es darum geht, das Unternehmen zu repräsentieren, bin ich am Werk», erzählt sie. Obwohl die Zuständigkeiten bei «Rundum- Rund» klar definiert seien, werden die Entscheidungen allesamt gemeinsam gefällt. Dabei kann es durchaus hitzig zu und hergehen – schliesslich seien alle im Team ein wenig stur. «Aber unser CEO kann uns jeweils wieder auf den Begeisterte Jungunternehmerin: Die Wangemerin Aline Leutwiler ist das Gesicht von «RundumRund». (Foto la) Entscheiden gemeinsam: Das Team von «RundumRund» setzt auf Teamwork. (Foto von Aline Leutwiler) Boden holen», schmunzelt die Wangemerin. «Zudem halten wir uns alle die Stange.» Nur in Sachen Velofahren hinke sie ihren Unternehmenskollegen ein wenig hinterher. «Mich zieht es in die Welt» Ob Aline Leutwiler auch später in der Unternehmensführung tätig sein möchte? «Ich weiss es noch nicht», antwortet sie. Ein Studium der Wirtschaftswissenschaften könne sie sich durchaus vorstellen. Doch zuerst stehe die Maturaarbeit an, für welche die Wangemerin im Frühling bis nach Asien reist: «Ich schreibe meine Arbeit über ein Sternerestaurant in Myanmar und wie dieses geführt wird. Denn in Myanmar läuft einfach alles anders» erzählt sie. «In den Frühlingsferien darf ich dort sogar ein Praktikum machen.» Bevor die Reise losgeht, gibt es aber noch einiges zu tun: 250 Schlüsselanhänger müssen verkauft werden. Bereits 40 Stück sind verkauft und der Onlineshop befinde sich gerade im Aufbau. Durch die Präsenz an diversen Weihnachtsmärkten in der Region erhofft sich das Unternehmen, die Verkaufszahlen nochmals ein wenig anzukurbeln – schliesslich sind die Anhänger das perfekte Weihnachtsgeschenk.

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